Schüleraustausch Dänemark in Corona-Zeiten: 16 Fragen an Nele nach der Rückkehr aus dem Auslandsjahr

Nele war als Stipendiatin der gemeinnützigen Stiftung Völkerverständigung in Dänemark. Hier gibt sie ihre Zusammenfassung des Schüleraustausches und Tipps für andere junge Leute

Nele mit ihrer Stipendien-Urkunde

Nele aus Niedersachsen hat ein Auslandsjahr mit einem Stipendium der Stiftung Völkerverständigung in Dänemark verbracht. Sie lebte bei ihrer Gastfamilie im Norden Jütlands. Sie berichtete hier über die Erfahrungen. Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Austauschschülern in Europa kann man im Schüleraustausch Blog sehen. Zum Abschluss ihres Schüleraustausches gibt sie eine Zusammenfassung ihrer Erfahrungen und Tipps für andere junge Leute, die einen Schüleraustausch planen:

1 Wie heißt du und wie alt bist du?

Ich heiße Nele Angerstein und bin 17 Jahre alt.

2 Du hast das Taschengeldstipendium der gemeinnützigen Stiftung Völkerverständigung bekommen. Was machst du ehrenamtlich in Deutschland?

In Deutschland habe ich zwei Ehrenämter. Ich trainiere Kinder im Alter von 5 bis 9 Jahren in der Leichtathletik. Außerdem bin ich Teamer in der Kirche. Das bedeutet, dass ich beim Konfirmationsunterricht und der Planung etc. helfe und auch die Jugendlichen betreue.

3 In welchem Land und wie lange hast du dein Auslandsjahr verbracht?

Ich war von August 2020 bis Juni 2021 in Dänemark.

4 Warum hattest du dich für dieses Land entschieden?

Ich fand, dass meine Mentalität bestimmt sehr gut nach Dänemark passen könnte und ich mochte es, dass das Land so nah an Deutschland ist, es aber dennoch so viele Unterschiede gibt. Es hört sich vielleicht unscheinbar an, aber man kann dort viel lernen und erleben.

5 Wie groß war der Kulturschock? Was hat dich am meisten beeindruckt?

Ich hatte keinen richtigen Kulturschock, aber das ist schwer bei einem selbst zu sehen. Wenn ich einen hatte, war er nur sehr klein. Es gab durch das ganze Jahr hindurch immer wieder neue Unterschiede und ich habe auch am Ende noch so viel Neues gelernt.  Am meisten beeindruckt hat mich wahrscheinlich das Schulsystem und die Art wie Dänen mit schwierigen Situationen oder Problemen umgehen.

6 Wie bist du mit deiner Gastfamilie zurecht gekommen?

Sehr gut. Ich glaube, dass es sehr selten ist, dass man ein so gutes Verhältnis zu seiner Gastfamilie hat.

7 Was waren deine schönsten und deine wichtigsten Erfahrungen?

Meine kleinen Erfolge. Ich habe viel Neues ausprobiert und war danach immer stolz auf mich, wenn ich über meinen Schatten gesprungen bin und somit meinen Horizont erweitert habe. Ansonsten auch die Momente mit neu gewonnenen Freunden und lange Unterhaltungen auf Dänisch.

8 Es geht ja nicht alles immer rosig zu. Was hat dir nicht gefallen? Was waren negative Erfahrungen?

Ich hatte zwar erwartet, dass ein Auslandsjahr nicht einfach ist, aber dass die ersten Wochen so hart werden würden, hatte ich nicht erwartet. Dazu zählt zum Beispiel auch, dass meine erste Klasse mir gegenüber nicht wirklich offen und einladend war. Dadurch war es hart Anschluss zu finden.

9 Wie hast du die Auswirkungen von Corona auf deinen Schüleraustausch empfunden?

Ich hatte drei Monate kompletten Lockdown und zwischendurch immer mal wieder Quarantäneregeln. Natürlich hat das in einigen Momenten sehr genervt, aber ich habe von den Dänen gelernt mit Problemen umzugehen. Außerdem war es im Winter, also der „perfekte“ Zeitpunkt. Am Anfang war alles offen und am Ende des Jahres waren auch kaum noch Einschränkungen.  Wenn ich zurückblicke, nimmt Corona nur einen sehr unbedeutenden kleinen Teil ein.

10 Wie warst du mit den Leistungen deiner Austauschorganisation zufrieden

In deren Leistungsbeschreibung stand, dass ich monatliche Betreuung der Organisation hätte und ständig in Kontakt mit ihnen wäre. Das war aber nicht so. Ich habe die Betreuung zum Glück nicht gebraucht, aber man hätte mehr erwartet. Außerdem war die Organisation nicht immer hervorragend.

11 Hast du bleibende Freundschaften geschlossen?

Ich hoffe es sehr. Im Moment bin ich erst kurze Zeit wieder in Deutschland, aber ich würde mich so freuen, wenn einige dieser Freundschaften bestehen bleiben würden.

12 Hast du im Ausland neue Hobbies gefunden?

Ja. Ich habe mit Handball angefangen und habe mir gerade ein Team in meiner deutschen Region gesucht.

13 Du bist jetzt wieder in Deutschland. Ist Alles wie gehabt (Familie, Freunde, Schule)?

Total. Als ob sich nichts verändert hat. Oft wurde mir gesagt, dass die ersten Wochen zurück hart sein können – die Erfahrung habe ich bisher nicht gemacht.

14 Hast du Pläne deine Auslandserfahrungen zu nutzen (Studium im Ausland etc.)?

Vielleicht. Es hat mich auf jeden Fall weitergebracht und ich denke, dass ich bestimmt offener in meinem Kopf geworden bin und mehr neue Sachen entdecken möchte. Momentan finde ich die Idee cool herumzureisen und nicht so lange an einem Ort zu wohnen. Also einfach so viel wie möglich zu sehen. Aber im Moment ist das noch weit weg für mich.

15 Wovon können sich die Deutschen eine Scheibe abschneiden?

Die dänische Entspanntheit und das sich nicht beschweren. Dänen beschweren sich häufig nicht und machen das Beste aus der Situation, weil Meckern da auch nicht hilft.

16 Deine drei Tipps für alle, die für einen Schüleraustausch ins Ausland gehen wollen

  • Seid auf ein Auf und Ab vorbereitet. Es wird „Niederlagen“ geben sowie gute und schlechte Tage. Aber in der Mehrheit die guten Tage :)
  • Sagt zu fast allem Ja. Auch wenn ihr keine Lust habt. Oft werden diese Sachen dann besser als alles andere. Und wenn nicht: wieder was gelernt. Einfach alles probieren, was sich anbietet.
  • Seid offen für neue Leute und zeigt, dass ihr die Kultur und die Sprache kennenlernen wollt. Damit ist der erste große Schritt schon getan. Es kommt nämlich immer gut an, wenn man Interesse zeigt.