Freiwilligendienst im Gap Year in Kolumbien: Johanna über die Reise und die ersten Tage in Kolumbien

Johanna stellt eine ganze Reihe von Unterschieden im Alltag fest

Gap Year im Freiwilligendienst in Kolumbien: Samacá

Johanna aus Ingolstadt in Bayern verbringt ihr Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem Stipendium der Stiftung Mensch und Zukunft. Sie hat sich für das Gap Year als Freiwilligendienst in einem Dorf in den Anden in Kolumbien entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen. Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern ist im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen und auf der großen Themenseite zum Gap Year.

Die Anreise zum Freiwilligendienst in Kolumbien

Und dann, ganz plötzlich, war die Zeit der Vorbereitung vorbei, und ich stand am 12.08.2022 mit gepackten Koffern mit 14 anderen Freiwilligen am Flughafen Frankfurt am Main. Mit gepackten Koffern, sehr aufgeregt und überwältigt von den verschiedenen Emotionen war ich bereit nach Kolumbien zu fliegen!

Der 12-Stunden-Flug (Anfahrtszeit und Wartezeit nicht eingerechnet) war tatsächlich auch mein erster Langstreckenflug. Ich erinnere mich noch, wie surreal es sich angefühlt hat, Kilometer über dem Ozean in Richtung einer unbekannten Zukunft zu sitzen.

Bei der Landung in Bogotá war es mitten in der Nacht in Kolumbien. Gleichzeit brach in Deutschland wieder ein neuer Tag an. Am Flughafen mussten wir Freiwilligen uns zunächst als Ausländer in Kolumbien registrieren lassen. Das Ganze dauerte ca. ein-zwei Stunden bis dann alle endlich durch waren, und dann um etwa Mitternacht in Kolumbien verließen wir zum ersten Mal den Flughafen und atmeten die kolumbianische Nachtluft ein.

Dort wurden wir von anderen Freiwilligen abgeholt und sind mit einem Bus zu den verschiedenen Treffpunkten mit den Gastfamilien gefahren. Nach drei bis vier Stunden Fahrt machten wir eine kurze Pause, bei der wir auch zum ersten Mal die hier sehr verbreiteten Arepas aßen, wurden ich und zwei weitere Freiwillige in einem kleinen Ort namens Samacá rausgelassen.

Als ich aus dem Bus stieg, bin ich herzlich von meinen beiden Gasteltern in den Arm genommen worden, und mir wurde sofort eine Decke um die Schultern geworfen. Wie lange die Fahrt danach dauerte, kann ich nicht wirklich einschätzen, aber so um ca. halb 2 nach kolumbianischer Zeit stand ich zum ersten Mal im Haus meiner Gastfamilie. Nach einer kurzen Begrüßung bin ich todmüde, aber überglücklich in mein neues Bett gefallen.

Die erste Zeit in Kolumbien

Gleich am nächsten Morgen hatte ich mein erstes typisches kolumbianisches Frühstück: huevos pericos (Rührei mit Zwiebeln und Tomaten) und arepas (kleine Maisfladen) mit Butter und dazu chocolate, also einfach heiße Schokolade.

In meiner Gastfamilie leben eine Mutter, ein Vater, zwei Töchter (14 und 24) und der Freund der Schwester (ich schließe ihn auch unter dem Begriff Gastgeschwister mit ein). Meine Gastfamilie ist ein absoluter Traum und haben mich wie einen Teil der Familie aufgenommen. Ich bin hier in dieser Familie die dritte deutsche Freiwillige, wodurch mich meine Familie auch mehr unterstützen kann.

Die größten Umstellungen in Kolumbien waren für mich: die Zeit, die Sprache und die Wasserleitungen (Toilette und Trinkwasser). Die Zeit, weil es hier eine  Zeitverschiebung von 6-7 Stunden gibt (seit ich da bin immer 7) und hier geht die Sonne auch wirklich das ganze Jahr über um 6 Uhr morgens auf und um 6 Uhr abends unter. Dadurch ist der komplette Tagesrhythmus nach vorne geschoben und meine Arbeit beginnt um 7 bzw. halb acht.

Die Sprache, weil hier Jeder Spanisch spricht (ich glaube so viel ist klar…) und man mit Englisch nicht wirklich weit kommt. Ich selbst hatte vorher drei Jahre Spanisch in der Schule, was es deutlich einfacher macht, die Verständigung aber besonders in der Anfangszeit nicht leicht war. Zumindest sind die meisten kolumbianischen Akzente ziemlich deutlich und relativ langsam gesprochen. Nach fast 3 Monaten kann ich mich im Alltag ganz gut verständigen, aber bis ich es flüssig kann, dauert es wohl noch eine Weile. Was ich auch gemerkt habe, ist, dass man viel schneller beginnt zu verstehen als selbst sprechen zu können.

Zu den Leitungen hier in Kolumbien: Es gibt einmal die kolumbianische Toilette. An sich ist es kein riesiger Unterschied zu einer deutschen Toilette, außer dass man das Toilettenpapier in die Mülleimer werfen muss, anstatt es in die Toilette zu werfen. Das liegt an den älteren Abwasserrohren. Aus dem gleichen Grund darf man das Wasser aus den Wasserleitungen auch nicht einfach so trinken, sondern muss es durch einen automatischen Filter leiten oder abkochen.

In meiner Anfangszeit war ich mit meiner Gastfamilie in einigen der Nachbarorte und hatte dann gleich das Vorbereitungsseminar mit meiner Organisation in Kolumbien. Dabei fasziniert mich hier immer wieder die Natur. Wir sind umgeben von Bergen und bei jeder Auto- oder Busfahrt nehme ich die Schönheit der Umgebung aufs Neue wahr.

Eure Johanna