Freiwilligendienst im Gap Year in Kolumbien: Johanna über ihre Organisation vor Ort und den Arbeitsalltag

Johanna arbeitet als Schulassistentin in einer Schule

Gap Year im Freiwilligendienst in Kolumbien

Johanna aus Ingolstadt in Bayern verbringt ihr Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem Stipendium der Stiftung Mensch und Zukunft. Sie hat sich für das Gap Year als Freiwilligendienst in einem Dorf in den Anden in Kolumbien entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen. Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern ist im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen und auf der großen Themenseite zum Gap Year.

Die Organisation vor Ort und meine Zeit in der Einsatzstelle

Hier in Kolumbien heißt die Organisation vor Ort „Fundación 180“. Diese hat sich auf globale Zusammenarbeit im lokalen Kontext fokussiert. Was bedeutet das konkret? Sie vermitteln deutsche Freiwillige an verschiedene Einsatzstellen in Kolumbien (in dem departamento Boyacá) und kolumbianische Freiwillige an Einsatzstellen in Deutschland (aber nur in Hessen). Dadurch entsteht ein interkultureller Austausch.

Die meisten von uns arbeiten in Kolumbien als Schulassistenz – wir unterstützen also die Lehrer im Unterricht und tauschen uns mit den Schülern aus. Es gibt auch einige andere Arbeitsstellen – Eine arbeitet beispielsweise in einem Theater, eine andere arbeitet zusammen mit Betreuern in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung. Da wir weder eine Ausbildung, noch ein Studium besitzen, ist es besonders wichtig, dass wir nur unterstützen können. Das ist auch allen Beteiligten bewusst. Ich finde es sehr gut und wichtig, dass die Fundación darauf achtet, dass dadurch keine Arbeitsstellen weggenommen werden.

Wie sieht jetzt mein Arbeitsalltag aus?

Meine Schule liegt im Zentrum von Samacá. Die Primaria beginnt um 7:30. Daher stehe ich montags und dienstags um 6 auf, mache mich fertig und laufe eine Viertelstunde zur Schule. Dort arbeite ich vorrangig mit zwei Lehrerinnen in 4. und 5. Klassen im Englisch Unterricht. Ich helfe bei der Aussprache mit, korrigiere Hefteinträge und Arbeitsblätter, helfe mit Vokabeln und schreibe für die Lehrer Sachen an die Tafel. Vor meinem Urlaub gab es einen „día de inglés“ (Englischtag), für den die eine Lehrerin mit ihren Klassen Einiges organisiert hat: zum Beispiel Tänze zu englischen Songs oder eine moderierte Modenshow. Ich habe beim Erstellen der Fragen für eine Rallye geholfen.

An den restlichen Tagen der Woche bin ich in der Secundaria eingeteilt, die um 7:00 beginnt. In der weiterführenden Schule bin ich in jeder Stunde für eine andere Klasse eingeteilt (6. – 8. Klassen) und arbeite mit ganz vielen verschiedenen Lehrern zusammen. Dabei kann die Arbeit stark differenzieren – abhängig vom Lehrer. Bei dem einen Lehrer kann ich beispielsweise sehr viel mithelfen, weil er sich sehr spannende Konzepte für den Unterricht überlegt, in denen ich auch gut eingebaut bin. Einmal sollte ich zum Beispiel mir Problemsituationen überlegen, damit sich die Schüler Sätze mit „You should…“ überlegen können.

Bei anderen Lehrern sitze ich schon auch mal öfter auch nur daneben und helfe hin und wieder mit der Aussprache, aber das variiert auch stark nach Thema. Manchmal überlege ich mir auch Spiele oder Aktivitäten für die Schüler. Ich arbeite meistens bis zwischen halb eins und halb drei.

Außerdem soll sich jeder Freiwillige über das Jahr zwei Projekte überlegen und umsetzen. Das erste Projekt steht bei mir gerade in Planung und sobald ich mit der Umsetzung fertig bin, erzähle ich hier gerne mehr darüber.

Insgesamt ist unsere Arbeit hier sehr vielfältig – abhängig von Schule/Einsatzstelle, aber eben auch den Lehrern. Die Kinder lernen hier einerseits sehr viele verschiedene Vokabeln und Grammatiken, der Unterricht ist aber meiner Erfahrung nach eigentlich vor allem auf Spanisch, wodurch sich die Schüler beim Sprechen eher schwertun. Ich persönlich merke, dass meine Anwesenheit den Schülern einerseits die Vorteile des Englisch Lernens aufzeigt und andererseits sie auch ein bisschen dazu motiviert, sich mehr zu trauen. Ersteres liegt meiner Meinung nach daran, dass vielen Schülern gar nicht bewusst ist, warum Englisch so wichtig sein kann. In Europa sind die Länder kleiner und es gibt viele verschiedene Sprachen – eine gemeinsame Sprache ist daher grundlegend. In Lateinamerika sprechen so ziemlich alle Länder Spanisch – der Bedarf für eine zweite Sprache ist also weniger offensichtlich.

Zudem ist Deutsch näher am Englischen, als es Spanisch ist, daher ist die Sprache auch nochmal schwieriger zu lernen. Da ich bei Weitem kein perfektes Spanisch spreche haben die Kinder auch mehr Motivation Englisch zu sprechen und fühlen sich ganz vielleicht sogar ein bisschen weniger eingeschüchtert, weil ich persönlich in der spanischen Sprache ja auch viele Fehler mache.

Ein wichtiger Teil meiner Arbeit ist auch einfach der Austausch mit den Schülern. Viele Schüler interessieren sich sehr dafür, woher ich komme, inwiefern das Leben in Deutschland anders oder gleich ist und wie es mir in Kolumbien gefällt. Alleine dadurch hat sich mein Spanisch auch schon um Längen verbessert – besonders kleine Kinder sind oft nicht sehr leicht zu verstehen und fragen Sachen, über die man sonst gar nicht wirklich in Spanisch gesprochen hätte. Viele der Fragen haben mich auch über meine Identität nachdenken lassen und über das Leben in Deutschland. Fragen wie „Wie ist Deutschland so?“ kann mich nicht gerade leicht in einem Satz mit gebrochenem Spanisch beantworten.

Eure Johanna