Jule aus Bayern verbringt ihr Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Stiftung Mensch und Zukunft in. Sie hat sich für das Gap Year für einen Freiwilligendienst in einem Zentrum für Menschen mit Behinderung der Nähe von Antwerpen entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen.
Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal und im Ratgeber E-Book Gap Year.
Hallo, ich bin Jule
Ich bin 20 Jahre alt und wohne seit vier Monaten in Antwerpen. Hier mache ich einen Freiwilligendienst und arbeite in Monnikenheide, einem Tageszentrum für Menschen mit Behinderung, mit.
Jule wohnt in einer Freiwilligen-WG
Ich habe schon gesagt, dass ich in einer Freiwilligen-WG wohne. Am Wochenende freue ich mich auch über Zeit mit meinen Mitbewohner*innen und wir machen auch ab und zu zusammen Ausflüge. Abends, nach der Arbeit, freue ich mich aber auch, wenn ich mal mit niemandem sprechen muss. Wenn ich den ganzen Tag von Menschen umgeben bin, muss ich erst mal meine social battery aufladen.
Mit dem Frühlingswetter habe ich aber auch nach der Arbeit mehr Energie und verkrieche mich nicht bis zum Abendessen, das wir in der WG zusammen haben, in mein Zimmer.
Ich habe mich den Belgier*innen angepasst und schnappe mir abends oft noch mal mein Rad, um eine Runde zu fahren. Oft geht’s an meinen Lieblingsplatz an der Schelde. An dem Fluss in Antwerpen gibt es einen super Fahrradweg und einen langgezogenen Park. Oft nehme ich ein Buch oder Musik mit und setze mich zwischen dem Radeln noch mal in den Park oder baue einen kleinen Spaziergang ein.
Danach habe ich wieder Energie für Gespräche und esse mit den anderen zu Abend. Immer wieder kommt es vor, dass wir uns verquatschen und dann ganz schön spät schlafen. Wenn wir weniger gesprächig sind, geht nach dem Essen jeder seinen Weg. Für mich heißt das dann oft, noch ein bisschen Serie schauen oder ein Buch lesen.
Jule erkundet in ihrer Freizeit das Land und Städte in Belgien
Am Anfang habe ich versucht, jedes Wochenende zweizuteilen. Ein Tag chillen und einen Tag was Neues erkunden. Freitagabends gehe ich ab und zu noch mit meinen zwei WG-Freundinnen in eine Bar.
Mittlerweile habe ich schon sehr viel in Antwerpen und Belgien erkundet und es kommt nicht mehr jedes Wochenende was Neues dazu. Wir sind eine Gruppe aus 12 Freiwilligen in verschiedenen belgischen Städten. Oft treffen wir uns auch einfach einen Tag in einer der Städte und verbringen dort den Tag oder Abend zusammen. Oder wir fahren zusammen in eine neue Stadt.
Wenn jemand von euch mal nach Belgien kommt, empfehle ich euch auf jeden Fall die flämischen Städte. Belgien besteht aus zwei großen Gebieten. Dem südlichen Teil, der Wallonie, wo Französisch gesprochen wird und Flandern, dem niederländisch sprachigen Teil. (Eigentlich ist Belgien dreisprachig, aber der deutschsprachige Teil ist so klein und gehört zur Wallonie).
Wenn ihr an Belgien denkt, denkt ihr bestimmt an Flandern mit Gent, Brügge und Antwerpen. Und natürlich an Brüssel. Die Hauptstadt zählt aber weder zu Flandern, noch zur Wallonie und ist offiziell zweisprachig. Nachdem wir Freiwilligen alle in Flandern (und Brüssel) wohnen, sind wir auch nicht so oft in der Wallonie. Mit zwei Freundinnen habe ich aber vor Kurzem einen Ausflug nach Namur in die Wallonie gemacht und war ein bisschen enttäuscht. Die Stadt ist zwar schön, sieht den flämischen Städten aber sehr ähnlich. (Wir hatten uns ein bisschen den französischen Stil erhofft.) Der einzige Unterschied war, dass es Hügel gab und nicht alles so „plattgedrückt“ ist wie in Flandern. Allerdings gibt’s die Hügel und Berge auch schon in Brüssel.
Meine Lieblingsstadt hier ist Gent, eine Studentenstadt, nicht zu groß und nicht zu klein, ein bisschen hip-alternativ und mit ganz vielen Bars und Cafés. Brügge ist auch sehr schön, aber sehr von Touristen überlaufen. Antwerpen als Stadt finde ich bis jetzt gar nicht so schön, hoffe aber, dass sich das mit dem Leben, das der Frühling mitbringt, ein bisschen ändert. Löwen wird oft vergessen, ist aber auch eine super schöne Studentenstadt, in die auch immer wieder Studenten für ein Auslandssemester kommen. Sehr empfehlenswert glaube ich!
Brüssel ist auch sehr schön, allerdings eine richtige Großstadt und nicht so wirklich zu vergleichen mit den flämischen Städten. Viel zu wenig Radfahrer und viel zu viele Autos. Ich denke mir bei meinen Brüsselbesuchen immer wieder, dass die Stadt Paris ein bisschen ähnlich ist.
Eine Stadt, die viele nicht kennen ist Mechelen
Klein, aber super schön. Bis vor wenigen Jahren war die Stadt einer der Brennpunkte Belgiens. Mittlerweile ist das Stadtzentrum aber komplett autofrei und es gibt eine erhöhte Polizeipräsenz. Natürlich sind auch die auf Fahrrädern unterwegs. Das ist allerdings in vielen belgischen Städten so. Dadurch ist Mechelen mittlerweile eine der lebenswertesten Städte Belgiens, in die vor allem junge Familien gerne ziehen.
Frühlingszeit heißt bei den meisten von uns Freiwilligen auch Besuchszeit. Das trägt auch dazu bei, dass ich weniger Neues erkunde und mehr Ausflüge zu bekannten Orten mache. Ich möchte meinen Gästen ja die schönsten Orte und meine Lieblingsorte zeigen. Natürlich erst mal in Belgien. Dann noch ganz oft nach Brüssel und in meine Lieblingsstadt, Gent.
Mit meinem letzten Besuch habe ich mich aber mal an einen neuen Ort gewagt, der mir bis jetzt noch zu kalt war. Das Meer. Da werde ich im Sommer sicherlich immer mal wieder sein. Wir haben auch ein sehr schönes Eck gefunden, bei dem es sogar Dünen gab. Das hat sich allerdings nur ca. 150 m gezogen. Danach kamen wieder Bettenburgen und große Wohnhäuser oder Industrie. Für mich, die das niederländische und dänische Meer und die dazugehörigen Strände gewöhnt ist, eher ein Downgrade. Aber naja. Dafür fahre ich auch nur 2 Stunden und bin am Meer. Das werde ich sicher noch einige Male machen.
Von den Gästen zurück zur Freiwilligengruppe
So eine große Gruppe hat nämlich noch einen Vorteil. Alle arbeiten in verschiedenen Stellen. Viele auch in politischen Stellen oder in Museen, die sich super für Ausflüge anbieten. Von unserer Einladung in die Europäische Kommission habe ich in meinem letzten Bericht schon erzählt. Jetzt waren wir noch zusammen in der Kazerne Dossin. Eine Gedenkstätte mit Museum über den Holocaust und die Verfolgung in Belgien, in der eine Mitfreiwillige arbeitet. Das Museum ist sehr spannend und gut gemacht. Und wir haben dank unserer Verbindung eine kostenlose Führung unserer Mitfreiwilligen bekommen. Weil es so ein schweres und wichtiges Thema ist, war die Stimmung danach ein bisschen gedrückt. Trotzdem sind solche Ausflüge, bei denen alle Freiwilligen dabei sind, super schön, weil wir uns super über unsere Erlebnisse austauschen können und alle auf einmal sehen.
Die ASF Community (ASF ist meine Entsenderorganisation) ist so groß, dass in ganz viele Länder Freiwillige entsendet werden. Da Belgien so klein ist, ist man auch super schnell in den Nachbarländern und kann sich mit den Freiwilligen von dort treffen. Ich habe mich Anfang des Jahres mit einer Freiwilligen getroffen, die im Norden Frankreichs ihren Freiwilligendienst macht und im gleichen Bereich arbeitet wie ich. Das war auch sehr spannend, weil man noch mal sehr gut gesehen hat, dass es doch kleine Unterschiede gibt. Auch wenn Belgien, Frankreich und Deutschland doch sehr nahe bei einander liegen und vieles ähnlich ist.
Die Osterzeit in Belgien ist Deutschland sehr ähnlich
In meinem letzten Bericht ging es um die Weihnachtszeit in Belgien. An Weihnachten selbst war ich gar nicht hier. Ähnlich ist es mit Ostern. Dieses Mal war ich nicht Zuhause, habe die Feiertage aber genutzt, um in den Urlaub zu fahren. Belgien kann ich an den Wochenenden schon gut erkunden, deswegen bin ich weiter weggefahren. Aber ich habe ein bisschen was erzählt bekommen, wie Ostern hier ist.
Und auch bevor ich gefahren bin, konnte ich in den Läden schon die aus Deutschland bekannten Hasen und Eier aus Schokolade finden. Überraschend war, dass die „Osterschokolade“ sehr bekannt war. Auch die Marken dazu sind die gleichen, wie die deutschen „Osterschokoladenhersteller“. Und das, obwohl die Schokolade der Belgier so viel besser schmeckt als unsere.
Nicht nur die Schokolade ist die gleiche, auch die Bräuche sind ähnlich. Belgien ist, wie Deutschland, ein vom Christentum geprägtes Land. Vielleicht hängt es damit zusammen. Auf jeden Fall werden hier auch Eier gefärbt. Und an Ostern werden natürlich Eier und Schokolade gesucht.
Genauso wie ich es kenne werden die schönen Bräuche noch mit Freude ausgeübt. Dass ich das Fasten nicht so genau genommen habe, hat aber zum Glück keinen gestört. :) Das wird hier zwar auch von manchen Menschen gemacht, aber lange nicht mehr von so vielen und so streng wie früher.
Bis Bald Eure Jule

