Freiwilligendienst im Gap Year: Jule erlebt viel mit anderen Freiwilligen in Belgien und zieht ein positives Resümee ihres Auslandsjahres

Jule macht mir ihren Mitfreiwilligen Ausflüge in Belgien und ein Seminar in Brüssel

Auslandsjahr in Belgien: Konzert in Gent (Foto: Stiftung Mensch und Zukunft)

Jule aus Bayern verbringt ihr Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Stiftung Mensch und Zukunft in. Sie hat sich für das Gap Year für einen Freiwilligendienst in einem Zentrum für Menschen mit Behinderung der Nähe von Antwerpen entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen.

Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal und im Ratgeber E-Book Gap Year.

Hallo, ich bin Jule

Ich bin 20 Jahre alt und wohne in Antwerpen. Hier mache ich einen Freiwilligendienst und arbeite in Monnikenheide, einem Tageszentrum für Menschen mit Behinderung, mit.

Highlights außerhalb der Arbeit

Ich hatte das Glück, zur Zeit der „Tall Ship Races“ in Antwerpen zu sein. Das findet nur alle vier Jahre statt. Dann liegen überall an der Schelde (dem großen Fluss in Antwerpen) und in den Hafenbecken große Segelschiffe. Es gibt auch ein Fest mit Konzerten und einige Schiffsbesatzungen bieten sogar Führungen über ihre Schiffe an. Ich habe zwar an keiner Führung teilgenommen, war aber auch schon vom Davorstehen wahnsinnig fasziniert. Die Segelboote sind einfach riesig und noch dazu richtig schön geschmückt mit Wimpelketten. Einfach imposant!

Vor kurzem war ich mit der Freiwilligengruppe auf den GentseFeesten. Das ist ein Stadtfest in ganz Gent und es kommen Besucher*innen aus dem ganzen Land. Wir hatten das Glück, dass einer unser Mitfreiwilligen in Gent wohnt und wir ein ganzes Wochenende bleiben konnten. 

Es waren super viele Menschen in der Stadt und in jeder Straße standen verschiedene Menschen oder Gruppen, die musiziert haben. Mit Blasmusik, reinem Gesang oder klassischer Musik. Es war für alle was dabei und echt ein Erlebnis.

Treffen der Freiwilligen in Brüssel

Die Freiwilligengruppe sehe ich aber nicht immer nur zum Spaß in unserer Freizeit. Regelmäßig treffen sich alle Belgien-Freiwillige meiner Organisation zu einem Seminar. So auch im April in Brüssel. Dieses Seminar stand unter dem Motto der europäischen Union. 

Wir waren unter anderen im EU-Parlament. Besonders interessant und beeindruckend fand ich aber eine Einheit zur europäischen Kommission. In einem Planspiel haben wir einen Entscheidungsprozess der Kommission nachgespielt. Gar nicht so einfach, sich bei so vielen verschiedenen Positionen auf einen gemeinsamen Gesetzesentwurf zu einigen. Wir haben das schon in unserem Spiel nicht geschafft. Dank des Spiels können wir jetzt alle besser nachvollziehen, warum es so lange dauert, bis sich ganz Europa auf ein gemeinsames Gesetz einigt.

Jule braucht auch Zeit für sich alleine

Die Zeit mit den anderen Freiwilligen genieße ich zwar immer sehr, dennoch bin ich ein Mensch, der auch immer wieder Zeit für mich alleine braucht. Daher habe ich auch einige Ausflüge alleine gemacht. Das Meer war dafür ein beliebter Ort. Besonders bei der Hitze ist es da auch angenehmer, weil man die dank des Windes gar nicht mehr so wirklich wahrnimmt. 

Ein Highlight-Ausflug ist sicher auch meine Wanderung in der Kalmthoutse Heide. Das ist ein Naturschutzgebiet mit viel Sand und Dünen in einer Moorlandschaft. Dort war ich einen Tag wandern und habe mein Bedürfnis nach Natur wieder ein bisschen befriedigt. In Antwerpen findet man davon nämlich eher wenig. 

Da kommen einige Erlebnisse zusammen. Ganz schön viel in dem Jahr. Wenn ich aus den Niederlanden zurück bin habe ich noch eineinhalb Wochen, bis mein größter und schwerster Abschied ansteht: der letzte Arbeitstag. 

Bevor ich darüber jetzt schon traurig bin denke ich lieber noch mal an die vielen Erlebnisse zurück. Meine Abschiedstour habe ich letzte Woche begonnen. Ich möchte noch mal zu all meinen Lieblingsplätzen und mich bewusst verabschieden. Das sind ganz schön viele mittlerweile.

Unabhängig davon merke ich, dass ich gerade viel bewusster durch die Straßen gehe und wie am Anfang alles in mich aufsaugen möchte. Nicht mehr, weil ich so fasziniert von allem bin, sondern weil so viele Erlebnisse und Erinnerungen in der Stadt stecken.

Sicherlich werde ich mit einem Koffer voller schöner Erinnerungen und wertvoller Erfahrungen nach Hause reisen, von denen ich noch lange profitieren kann. 

Haben mich die Erlebnisse und Erfahrungen verändert? 

Das ist eine schwierige Frage, die wir uns in der Freiwilligengruppe schon oft gestellt haben. Ich glaube, das ist aktuell noch schwer zu beurteilen, weil wir die Entwicklungen und Veränderungen ja kontinuierlich miterlebt haben. Zuhause warten viele Menschen, die noch die „alte“ Jule kennen und mich jetzt ein Jahr nicht gesehen haben. Die werden die Unterschiede und Entwicklungen sicher schneller sehen.

Eines kann ich aber schon sagen: Ich bin viel gefestigter in dem, wer ich bin und auch zufriedener mit mir selbst. Als ich nach Belgien gekommen bin hat mich niemand gekannt und ich konnte einfach ich selbst sein. Ich habe gemerkt, dass mich die Menschen einfach genau so annehmen und mögen. Das war eine wahnsinnig wertvolle Erfahrung für mich.

Sicherlich bin ich auch an einigen Herausforderungen gewachsen. Ich habe eine neue Sprache gelernt und weiß jetzt auch, wie ich auf Niederländisch erkläre, dass mein Boiler oder die Waschmaschine kaputt ist. 

Auch auf der Arbeit durfte ich super viel lernen. Zum Beispielvon meinen Kolleg*innen. Von diesen Erfahrungen werde ich sicherlich noch lange profitieren. Vor Allem auch, weil ich in dem Bereich tätig bleibe. Die Arbeit hat mir so gut gefallen, dass ich ab Oktober Sonderpädagogik studieren werde.

Ihr seht, das war ein super schönes und bereicherndes Jahr für mich, an das ich sicherlich noch lange zurückdenken werde. Solltest du den Bericht gerade lesen, weil du selbst über einen solchen Freiwilligendienst nachdenkst, kann ich dich in der Idee nur bestärken. Ich würde die Zeit hier auf keinen Fall missen wollen!

Eure Jule