Freiwilligendienst im Gap Year: Jule über ihre Arbeit und den Frühling in Belgien

Jule hat in Belgien den Frühling und viele Veränderungen an ihrer Arbeitsstelle erlebt

Auslandsjahr in Belgien: Brüssel (Foto: Stiftung Mensch und Zukunft)

Jule aus Bayern verbringt ihr Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Stiftung Mensch und Zukunft in. Sie hat sich für das Gap Year für einen Freiwilligendienst in einem Zentrum für Menschen mit Behinderung der Nähe von Antwerpen entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen.

Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal und im Ratgeber E-Book Gap Year.

Hallo, ich bin Jule und 20 Jahre alt.
Einige von euch kennen mich vielleicht schon aus anderen Berichten. Für alle anderen möchte ich trotzdem noch kurz erzählen, was ich mache und warum ihr meine Berichte lesen könnt.

Ich mache ein Freiwilliges Internationales Jahr (kurz: FIJ). Das ist einem FSJ sehr ähnlich. Allerdings bin ich für meinen Freiwilligendienst ein Jahr lang nach Belgien gezogen. Hier lebe ich jetzt seit einem halben Jahr in einer Freiwilligen-WG in Antwerpen und arbeite in Monnikenheide. Das ist ein Tageszentrum für Menschen mit geistiger Behinderung in Zoersel, einem Dorf in der Nähe von Antwerpen.

Hier erzähle ich von meiner Arbeit als Freiwillige, von Belgien und meinem Leben hier. Vielleicht hat ja der oder die eine von euch nach dem Lesen auch Lust, ein solches Jahr im Ausland zu verbringen. Schon vorab: Ich kann es euch nur empfehlen!

Als ich meinen letzten Bericht geschrieben habe, war es noch Winter, und ich habe mich gerade gefreut, so viel Glück zu haben und den in Belgien seltenen Schnee zu erleben.

Jule freut such über den Frühling in Belgien

Jetzt ist des anders, der Frühling kommt und ich freue mich sehr. Nicht nur über die Sonne und die Wärme, die sie mitbringt, sondern auch über das Leben in der Stadt. Überall kommen die Blätter und Blumen zum Vorschein, und alles wird bunter. Das lockt auch die Antwerpener*innen aus ihren Wohnungen. Mir war das nicht immer bewusst, aber jetzt, wo ich den Kontrast sehe, merke ich, dass die Stadt bei schlechtem Wetter sehr viel leerer ist, als bei Sonnenschein. Ab und zu habe ich mich gewundert, wieso hier am Wochenende so wenig los ist. Jetzt weiß ich: Es haben einfach alle auf den Sommer gewartet. 

Bei der Arbeitsstelle von Jule hat sich viel verändert

Aber es hat sich nicht nur das Wetter verändert. Auch bei meiner Arbeitsstelle hat sich seit dem letzten Bericht einiges getan:

Um das zu erzählen, muss ich ein bisschen ausholen. Monnikenheide besteht nicht nur aus dem Tageszentrum und der Gruppe, in der ich mitarbeite. Auf dem Campus sind ganz viele Gruppen. Mehrere Tageszentren, viele Wohngruppen und auch eine Gruppe für Kurzaufenthalte. Alle Gruppen werden von Menschen mit geistigen Behinderungen besucht. Das sind viele verschiedene Gruppen, trotzdem kennt eigentlich jeder jeden und unter den Gruppen besuchen sich viele gegenseitig, kommen zu Besuch auf einen Kaffee oder spielen zusammen.

Das hat mir sehr gut gefallen, weil es so eine große Gemeinschaft ist, in der sich jeder wohl zu fühlen scheint. Diese Gemeinschaft, die zusammen auf einem Campus wohnt und teilweise arbeitet, hat aber einen Haken. Alle sind auf einem Gelände und es kommen selten Menschen vorbei, die keinen persönlichen Kontakt zu Menschen mit Behinderung haben. Inklusion war also nicht wirklich angesagt.

Das hat sich seit meinem letzten Bericht geändert. Meine Gruppe, also ein Tageszentrum, ist umgezogen. Wir sind nach wie vor Teil von Monnikenheide. Allerdings nicht mehr auf dem Campus, sondern in einem eigenen Haus, mitten im Dorf. Davon erhoffen wir uns mehr Kontakt zu den Bewohner*innen Zoersels und möchten dafür auch einen kleinen Laden eröffnen. Soweit sind wir aber noch nicht.

Der Umzug des Tageszentrums war anstrengend

Erst mal zum Umzug. Der war ganz schön anstrengend. Auch für unsere Besucher*innen, die eigentlich eine genaue Struktur brauchen. Der Umzug hat aber natürlich einiges geändert. Wir schauen auch mit einem kleinen weinenden Auge zurück, weil jetzt die Gemeinschaft auf dem Campus fehlt.

Trotzdem freue ich mich sehr, den Umzug miterlebt zu haben. Es ist sehr spannend, zu sehen, wie etwas Neues entsteht und ganz viele neue Ideen aufkommen, die so ein Raumwechsel lostritt. Und ich freue mich, dass ich so viel mitgestalten darf und meine Ideen mit einbringen darf.

In einem halben Jahr bin ich wieder weg und es ist ein bisschen komisch, einfach so durch eine*n neue*n Freiwillige*n „ersetzt“ zu werden, die oder der dann kommt. Vielleicht kann ich mich jetzt aber so einbringen, dass ein bisschen Jule auch die nächsten Jahre noch zu spüren ist. 

Die Arbeit macht Spaß, ist aber auch anstrengend

Auch wenn ich hier ein FIJ mache und vor allem für die Arbeit nach Belgien gekommen bin, hat der Arbeitstag zum Glück irgendwann ein Ende. Auch wenn ich sehr gerne auf der Arbeit bin. Abends bin ich einfach K.O. und freue mich über Zeit für mich.

Bis Bald Eure Jule