Schüleraustausch Kanada: Elina über ihren Alltag, die Schule und warum sie kein Heimweh hat

Wie Elina den Alltag und die High School auf Vancouver Island erlebt

Traumziel British Columbia

Elina aus Nordrhein-Westfahlen verbringt das Auslandsjahr im Schüleraustausch an einer High School mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Stiftung Mensch und Zukunft in Kanada. Sie lebt bei einer Gastfamilie in der Provinz British Columbia auf Vancouver Island. Sie berichtet hier über die Erfahrungen. Die Berichte zu ihrem Auslandsjahr in Kanada kann man im Schüleraustausch Kanada Blog sehen. Alles zum Schüleraustausch nach Kanada gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal, die Länderseite Schüleraustausch Kanada, den Leitfaden im Ratgeber E-Book Kanada und die Anleitung im Schüleraustausch Online-Kurs.

Mein Alltag und die Eingewöhnung in das Leben in Kanada

Der Alltag in Kanada war am Anfang etwas ungewohnt. Vor allem die Schule beginnt hier später und endet auch später als in Deutschland. Das führte dazu, dass sich der gesamte Tagesablauf anders angefühlt hat. Besonders dadurch, dass ich etwas abgelegener wohne, war ich nicht so mobil wie zu Hause.

In Deutschland bin ich es gewohnt, vieles spontan zu machen und selbständig unterwegs zu sein. In Kanada musste ich mich daran gewöhnen, dass ich für viele Dinge auf meine Gastfamilie angewiesen war, zum Beispiel wenn ich Freunde treffen wollte oder irgendwohin fahren musste. Gerade am Anfang war es ungewohnt, immer fragen zu müssen und Dinge im Voraus zu planen.

Außerdem musste alles mit der Gastfamilie abgesprochen werden, da es eben nicht die eigene Familie ist. Bei größeren Reisen oder Ausflügen musste man zusätzlich auch immer den Distrikt informieren und um Erlaubnis fragen. Das war eine große Umstellung, weil man deutlich weniger spontan sein kann als in Deutschland.

Der Tagesablauf unter der Woche besteht größtenteils aus Schule. Da der Unterricht relativ spät beginnt und auch spät endet, fühlt es sich so an, als würde sich der gesamte Tag fast nur um Schule drehen. Nach der Schule bleibt unter der Woche oft nicht mehr viel Zeit, etwas anderes zu unternehmen.

Trotzdem gewöhnt man sich mit der Zeit daran, und nach ein paar Wochen fühlt sich der Alltag deutlich normaler an. Außerdem habe ich im Alltag gelernt, geduldiger zu werden und Dinge nicht immer sofort erledigen zu wollen, sondern besser vorauszuplanen. Rückblickend hat mir diese Umstellung geholfen, strukturierter zu denken und mehr Verantwortung für meine Entscheidungen zu übernehmen

Die Schule in Kanada ist anders

Die Schule in Kanada unterscheidet sich stark von der Schule in Deutschland. Insgesamt ist das Schulsystem hier deutlich entspannter und einfacher. Am Anfang war es trotzdem etwas schwierig, das System zu verstehen.

Pro Semester hat man vier feste Fächer, die man jeden Tag hat. Da ich für ein ganzes Jahr hier bin, habe ich insgesamt zwei Semester mit jeweils vier Fächern.

In Kanada muss man relativ früh wissen, in welche Richtung man später gehen möchte. Es gibt zum Beispiel unterschiedliche Mathekurse, je nachdem, ob man später auf die Universität möchte oder einen anderen Weg einschlägt. Außerdem gibt es viele praktische Fächer wie Metalwork, Woodwork, Kochen oder Fotografie.  Wenn man schon weiß, was man später machen möchte, kann man sich hier sehr gezielt darauf vorbereiten. 

Einige Fächer sind deutlich einfacher als in Deutschland, vor allem die praktischen Fächer. Gleichzeitig gibt es aber auch Fächer wie Mathematik oder Biologie, die anspruchsvoller sind. Der Stoff ist ähnlich wie in Deutschland, aber es werden andere Begriffe verwendet, was es manchmal schwierig macht, alles direkt zu verstehen.

In Tests kann man das Handy nicht einfach zum Übersetzen benutzen, deshalb muss man sich an die Fachbegriffe gewöhnen. Besonders in Biologie gibt es viele neue Begriffe, die man erst lernen muss.

Der Stundenplan ist jeden Tag gleich aufgebaut: A-Block, B-Block, Pause, C-Block und DBlock. Manchmal werden A- und B-Block getauscht. Am Anfang fand ich es sehr angenehm, jeden Tag die gleichen Fächer zu haben. Mit der Zeit wurde es jedoch etwas eintönig, da man wirklich jeden Tag dasselbe Fach hat. Der Vorteil ist allerdings, dass man kaum Hausaufgaben bekommt. Wenn man im Unterricht mitarbeitet, muss man nach der Schule meistens nichts mehr machen.

Tests sind hier ganz anders als in Deutschland. Es gibt viele kleine Tests, oft als Multiple-Choice-Aufgaben oder Online-Tests. Große Klassenarbeiten wie in Deutschland gibt es kaum. Dafür gibt es am Ende des Schuljahres sogenannte Final Exams. Diese sehen je nach Fach unterschiedlich aus. In Englisch schreibt man zum Beispiel eine Abschlussprüfung, während man in praktischen Fächern wie Foods ein Gericht für die Gastfamilie kocht, das dann bewertet wird.

Besonders positiv ist mir aufgefallen, dass Lehrer hier sehr offen und hilfsbereit sind und man sie jederzeit ansprechen kann, wenn man etwas nicht versteht. Auch das Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern ist deutlich lockerer, was den Schulalltag angenehmer macht.

Hier gibt es viele Ausflüge und Aktivitäten

Sowohl die Schule als auch der Distrikt bieten viele Ausflüge speziell für Austauschschüler an. In den ersten Wochen konnte man sich für einen von drei Ausflügen anmelden, damit jeder die Möglichkeit hatte, an etwas teilzunehmen. Zur Auswahl standen Whale Watching, ein Fußballspiel der Vancouver Whitecaps oder Surfen in Tofino.

Ich habe mich für den Ausflug nach Vancouver zum Fußballspiel entschieden. Dieser Ausflug war besonders schön, da es mein erstes Mal in Vancouver war. Alles wurde von der Schule organisiert, wodurch man sich um nichts kümmern musste. Wir sind zunächst zum Fährterminal nach Nanaimo gefahren und dann mit der Fähre nach Vancouver übergesetzt.

Dort wurde uns die Innenstadt gezeigt, anschließend hatten wir etwas Freizeit, bevor es zum Fußballspiel ging. Das Spiel selbst war interessant, vor allem weil die Whitecaps gewonnen haben. Allerdings war die Stimmung im Stadion im Vergleich zu Deutschland sehr ruhig. Das Stadion war nicht ausverkauft, der obere Rang war komplett leer, und insgesamt war es viel leiser als man es von deutschen Fußballstadien kennt. Das war ein kleiner Kulturschock.

Zusätzlich wurden vom Distrikt weitere Aktivitäten angeboten, wie gemeinsames Schlittschuhlaufen in der ersten Woche, um sich besser kennenzulernen, sowie nochmal Schlittschuhlaufen in der Weihnachtszeit.

Außerdem gab es Angebote zum Skifahren im Januar, eine große Reise zum Skigebiet in Whistler und eine zweitägige Fahrt nach Victoria. Auch durch den Unterricht selbst ergeben sich Ausflüge. In Erdkunde gab es zum Beispiel die Möglichkeit, Cave Diving in Tropfsteinhöhlen zu machen. Einige Freunde aus meiner Klasse haben daran teilgenommen.

Insgesamt wird hier viel angeboten, besonders für die Austauschschüler

Durch die gemeinsamen Ausflüge hatte man die Möglichkeit, auch außerhalb der Schule neue Freundschaften zu schließen und sich besser mit anderen Austauschschülern zu vernetzen. Diese Aktivitäten haben dazu beigetragen, dass man sich schneller eingelebt hat und weniger Heimweh hatte.

Viele Grüße aus Qualicum Beach / Vancouver Island

Bis bald Eure Elina