Viele junge Leute im Rheinland haben Fernweh. Der Schüleraustausch bietet eine einmalige Gelegenheit, andere Länder und Kulturen hautnah zu erleben und eine Sprache zu lernen. Damit ist der Schüleraustausch ein Beitrag zur Völkerverständigung. Die Stiftung Völkerverständigung hat den Schüleraustausch-Preis 2018 an die Gesamtschule Köln-Holweide vergeben. Die Schule hat das Preisgeld für den Schüleraustausch mit einer Schule in Burkina Faso erhalten. Hier berichtet das Projektteam der Schule über den Austausch.
Wie das Austausch-Projekt zustande kam
Vor 6 Jahren haben wir an der Gesamtschule Holweide eine Schülerfirma gegründet, die sich mit der Verbreitung der Ideen des fairen Handels beschäftigt und einen Fairtrade-Laden betreibt. Aus dem Gewinn des Ladens unterstützt die Schülergenossenschaft seit 4 Jahren 4 Schülerinnen aus Burkina Faso, damit sie dort ihr Abitur machen können. In diesem Zusammenhang ergab sich Korrespondenz mit den Schülerinnen und den Erwachsenen des Dorfes Laongo und es entstand die Idee, sich zu besuchen und persönlich kennen zu lernen. So vereinbarten wir vertraglich eine Schulpartnerschaft zwischen der Schule in Laongo, 30 km nördlich der Hauptstadt Ouagadougou und der Gesamtschule Köln Holweide.
Von der Idee des Schüleraustausches bis zur Ausführung war es ein langer Weg
Einige Lehrer, die ursprünglich mitmachen wollten, sind abgesprungen aus verschiedenen Gründen, fühlten sich unsicher; wir mussten neue Personen finden und haben dann eine Gruppe von Betreuern gefunden: 4 Lehrerinnen und 1 Schulsozialarbeiter. 1 Lehrerin und der Sozialarbeiter arbeiten von Anfang an im Schulweltladen mit, die anderen sind aus Interesse an der Schulpartnerschaft dazugekommen. Die 4 deutschen Schülerinnen, die von Anfang an mitmachen wollten, sind in der 10. Klasse und alle seit Jahren Mitglieder der Schülergenossenschaft.
Wir alle wollten diesen Austausch angehen, weil wir hier die Chance haben, Menschen aus einem afrikanischen Land persönlich kennen zu lernen, und zwar als Gäste bzw. vielleicht demnächst als Gastgeber, also gleichberechtigt, als Reisende.
Auch in Laongo gab es viel Unterstützung: durch den Direkter der Schule; eine Lehrerin ist mitgefahren; Eltern und Verwandte waren stolz auf die vier Mädchen und haben ihnen erlaubt zu fahren, obwohl sie eigentlich in der Zeit (Schulferien) auf dem Feld hätten mitarbeiten müssen. Und es wurden im Dorf Geschenke für uns hergestellt: Bronzefiguren, Schlüsselanhänger, Kleider, Taschen – in einem von 4 Koffern waren nur Geschenke für uns.
Die Finanzierung des Austausches mit Burkina Faso
Da unser Partner aus Burkina Faso kein Geld aufbringen konnte, mussten wir alles von Köln aus finanzieren, und zwar vom Reisepass über Flüge bis zum Programm hier. Wir haben viele Stiftungen und Institutionen angeschrieben – geholfen haben dann der Förderverein der Gesamtschule, die Horbach-Stiftung, deren Fotoausstellung wir dann auch einen Besuch abstatten durften, die Deutsche Stiftung Völkerverständigung, weitere Förderer und Eigenmittel, aus z.B. Filmvorführungen an der Schule.
Ideen und Ziele des Schüleraustausches mit Burkina Faso
Unser Ziel war, Vorurteile abzubauen über ein Land, das wir nicht kennen und durch Erfahrungen zu ersetzen mit den Menschen dieses Landes. Wir wollten es möglich machen, dass sich Menschen aus einem armen und einem reichen Land persönlich kennen lernen als Gäste und Gastgeber.
Auch unsere Gäste hatten Informationen über Deutschland nur aus dem Fernseher. Wir wollten ihnen ermöglichen zu reisen, was sie wahrscheinlich in ihrem ganzen Leben sonst nicht machen könnten. Beim und durch Reisen lernt man so viel, man relativiert viele Dinge, bekommt neue Anregungen, Ideen und Träume. Oder man kann Pläne entwickeln, z.B. ein Studium in Deutschland für eines oder mehrere der 4 Mädchen.
Die Gastfamilien in Köln für die Austauschschüler aus Burkina Faso
Die Schülerinnen, die die Gäste aus Burkina Faso aufgenommen haben, waren alle Mitglieder der Schülergenossenschaft.
Das Programm des Austausches im Jahr 2018
Die Schülerinnen aus Burkina Faso nahmen fast täglich 1-2 Stunden am Unterricht ihrer Gastgeberinnen teil. Daneben trafen sich die Mädchen regelmäßig zu Theatertreffen. Das Theaterspielen sollte den Schülerinnen aus beiden Ländern die Möglichkeit geben, ihre Erfahrungen und Wünsche kreativ zum Ausdruck zu bringen und sich gegenseitig (ohne Sprache) mitzuteilen. Zur Aufführung in der letzten Besuchswoche luden die Schülerinnen viele Mitschüler/innen und Kolleg/innen ein. Die Vorstellung war für alle ein großer Erfolg.
Neben Unterricht und Theater fand ein vielfältiges Programm statt, das wir auch mit Hilfe der Wünsche unserer Gäste zusammengestellt hatten. Wichtig war uns, dass es viele Anlässe für Begegnungen gab – gemeinsames Essengehen, Kochen und Kegeln - , die Gäste aber auch die Stadt Köln kennenlernen konnten: Im Rahmen von Stadtführungen und Ausflügen besuchten wir u.a. den Kölner Dom, die Moschee in Ehrenfeld, den LVR-Turm, mehrere Museen, die Philharmonie (Mittagskonzert/Probe) und den Kölner Zoo.
Ein Höhepunkt war eine eintägige Tour nach Holland ans Meer, da die Burkinabés noch nie am Meer gewesen waren und der Tag mit Spiel und Spaß alle Beteiligten einander nahe brachte. Gegen Ende des Besuchs nahmen wir außerdem an der Premiere des Afrikanischen Filmfestivals teil, das mit zwei Filmen und dem Besuch zweier Filmschaffender am nächsten Vormittag auch an unsere Schule kam.
In ihren Gastfamilien hatten die Schülerinnen Gelegenheit, am Alltag der Familien teilzunehmen, Spiele zu spielen, Musik auszutauschen etc. Die große Gastfreundschaft unserer Gastgeberfamilien und das Kommunikationstalent und Einfühlungsvermögen unserer Schülerinnen haben dabei wesentlich zum Erfolg des Besuchs beigetragen.

Rückblick: Was ist gut gelaufen und wo gibt es Verbesserungsbedarf?
Schon die gemeinsame Evaluation am letzten Tag des Besuchs hat gezeigt, dass die Burkinabés, aber auch unsere Schülerinnen, den Besuch insgesamt als sehr positiv erlebt haben. Das Theater, das Meer, gemeinsames Kegeln und vieles mehr wurden bei den großen Pluspunkten genannt. Insgesamt lässt sich festhalten:
- Der Besuch war aus pädagogischer Perspektive ein Gewinn, unsere Erwartungen wurden übertroffen. Sowohl die Schülerinnen als auch die Pädagog/innen haben sehr schöne menschliche Erfahrungen mit unseren Gästen gemacht. Nicht nur war der Umgang entspannt und freundlich, sondern es ergaben sich auch echte menschliche Sympathien und alle Beteiligten haben viel voneinander gelernt.
- Im Interesse der Schule würden wir noch mehr versuchen, das Interesse der ganzen Schule für die Besucher schon im Vorfeld zu wecken. Es wäre zu überlegen, wie Kolleg*innen und Mitschüler*innen an unserer sehr großen Schule noch stärker in den Austausch einbezogen werden können. Die Anerkennung und Förderung durch die Schulleitung ist der neuen Schulpartnerschaft schon sicher.

Die Wirkung des Schüleraustausches und Ideen zur Fortsetzung
Die Wirkung auf die unmittelbar Beteiligten war fast durchgehend positiv; es herrscht eine große Motivation auf beiden Seiten, den Schüler*innenaustausch fortzusetzen und auszuweiten. Auf burkinischer Seite gibt es viele junge Interessent*innen für einen Austausch. Auch wir werden sicher nach dieser Erfahrung weitere Interessierte finden, wobei wir immer noch auf das Ende der Reisewarnungen für Burkina Faso warten, um den Schüleraustausch auch in anderer Richtung zu betreiben.
Insgesamt kann man sagen, dass die Begegnung und der Dialog, die hier stattgefunden haben, in unserer Zeit, in der Menschen aus afrikanischen Ländern häufig nur als Flüchtlinge wahrgenommen werden, eine sehr positive Wirkung auf alle Beteiligten gehabt und zu einer unbefangeneren Haltung beigetragen haben. Wir hoffen, diese Tendenz fortsetzen zu können.
Die Ausschreibung für den Schüleraustausch-Preis 2019 ist bereits gestartet. Bewerben können sich alle weiterführenden Schulen in Deutschland. Einzelheiten zur Bewerbung


