Alexander aus Schleswig-Holstein verbringt ein Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der BürgerStiftung Region Ahrensburg. Er hat sich für das Gap Year für einen Freiwilligendienst in Ecuador entschieden. Er berichtet hier über die Erfahrungen. Alles zu seinem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal in der großen Themenseite zum Gap Year
Das Gap Year als Freiwilligendienst: Die ersten beiden Monate in Ecuador
Wenn ich jetzt so zu diesem Moment zurückdenke, kommt es mir wie eine halbe Ewigkeit vor, dass ich dort war. Im Großen und Ganzen ist es allerdings „nur“ zwei Monate her. Bei den ganzen neuen Eindrücken und Erlebnissen hier in Ecuador, bleibt einem fast jeder Tag in Erinnerung. Als ich am Anfang im On-Arrival Camp ankam, konnte ich mir noch gar nicht ausmalen, was ich in der Zukunft alles erleben würde. Ich werde hier nicht all‘ meinen Erlebnissen eine Bühne bieten können, weswegen ich nur von denen erzählen werde, welche mir am stärksten im Gedächtnis geblieben sind.
Das Gap Year als Freiwilligendienst: Die Reise an die Pazifikküste in Ecuador
Da wäre an allererster Stelle meine erste Reise innerhalb von Ecuador. Eigentlich ergab sich diese sehr spontan. In der zweiten und dritten Woche nach unserer Ankunft arbeiteten wir noch nicht in unseren Projekten, da wir einen Spanischkurs hatten, welcher online stattfand.
Da wir die Nachmittage frei hatten, und an dem Kurs theoretisch von überall teilnehmen konnten, entschieden wir uns für vier Tage nach Puerto Lopez zu fahren. Dieses Fischerdorf war für uns so interessant, da es uns als Hotspot für die Buckelwalbeobachtung empfohlen wurde. Diese halten sich nämlich jährlich von Juli bis September vor der Küste Ecuadors auf, um Nachkommen zu zeugen. Die Chance Wale zu beobachten wollten wir uns auf keinen Fall entgehen lassen.
Während unseres Aufenthaltes dort nahmen wir somit an einer Tour Teil, welche einerseits die Walbeobachtung, andererseits aber auch einen Rundgang auf der „Isla de la Plata“ enthielt. Diese Insel wird auch als „Galapagos für Arme“ bezeichnet, da sie das Zuhause für ähnliche Vogelarten bietet, aber ein Besuch deutlich preisgünstiger ist. Auf der Rückfahrt von der Insel bekamen wir dann einige Buckelwale zu Gesicht, welche sogar teilweise aus dem Wasser heraussprangen.
Das Gap Year als Freiwilligendienst: Alexander und seine Arbeit als Hilfslehrer in den Anden
Nach dieser ersten unglaublichen Erfahrung ging es dann erstmal mit der Arbeit in meinem Projekt los. Die Organisation, bei welcher ich nun arbeite, unterstützt Schulen in den indigenen Gemeinden rund um die Stadt Otavalo im Norden Ecuadors. Diese Gemeinden sind größtenteils schwer erreichbar und besitzen nur um die 100 Einwohner. Ein weiteres Problem ist der Mangel an Englischlehrern in der Umgebung. Dadurch gibt es für diese kleineren Schulen, welche teilweise sogar nur um die 10 Schüler haben, keine Möglichkeit richtig Englisch zu unterrichten. Dort gibt es meistens nur einen Lehrer, welcher dann alle Fächer unterrichten muss. Deswegen sind wir Freiwillige sozusagen „Hilfslehrkräfte“, mehr jedoch in dem Sinne, dass wir gute Englischkenntnisse haben, mit denen wir den Schülern die Sprache beibringen können.
Insgesamt bin ich aktuell an zwei verschieden Schulen eingesetzt: Pijal Alto und Padre Chupa. Die Schule in Pijal Alto ist eine der Größeren, in denen wir Freiwillige eingesetzt werden. Es gibt etwa 60 Schüler, nach Stufen getrennte Klassen und sogar einen Englischlehrer. Diesen unterstütze ich bei seinen Unterrichtsstunden jeden Donnerstag und Freitag. Er ist allerdings auch nur an diesen Tagen an der Schule, da er ebenfalls an anderen Schulen arbeitet. Auch deswegen ist er freitags nur die Hälfte des Schultages vor Ort. Somit verbringe ich den Rest des Vormittags damit, dass ich in den unteren Klassenstufen, welche sonst nur eine Englischstunde pro Woche hätten, allein weitermache. An den Nachmittagen dieser Tage kehre ich dann in die Freiwilligen-WG in Otavalo zurück, wo ich mit sechs anderen Freiwilligen wohne.
Mein Alltag von Montag bis Mittwoch sieht hingegen ganz anders aus. Denn jeden Montagmorgen fahre ich mit dem Lehrer der Schule in Padre Chupa in die gleichnamige Gemeinde. Er selber wohnt vier Stunden entfernt, und fährt nur über das Wochenende nach Hause. Die Fahrt von Otavalo dauert insgesamt 45 Minuten und verläuft erst entlang einer Straße, welche dann später auf einem Sandweg weitergeht. Dieser schlängelt sich an den Berghängen entlang, bis man nach einer Weile die Schule erreicht. Es kam in meiner Zeit bereits einmal vor, dass die Regenfälle so stark waren, dass Erde abrutschte und den Zugang zu der Gemeinde blockierte. Auch der Aufbau der Gemeinde ist etwas Besonderes. So handelt es sich hierbei eigentlich nur um einzelne Häuser mit zugehörigen Feldern und Weiden, welche entlang des Weges liegen. Ein richtiges Zentrum gibt es nicht; man trifft sich dann meist einfach an der Schule.
Die Schule selber ist im Vergleich zu Pijal auch deutlich kleiner. So gibt es insgesamt nur 10 Schüler, von welchen einige noch in der ersten Klasse sind, andere aber bereits in der Siebten. Dennoch müssen alle von dem einen Lehrer unterrichtet werden. Und da komme ich jetzt ins Spiel. Da die Schule einen zweiten Klassenraum besitzt, übernehme ich für ihn die Siebtklässler und unterrichte größtenteils Englisch, durfte aber auch bereits Naturwissenschaften vermitteln. Für mich ist es eine willkommene Abwechslung, hier einerseits nur drei Schüler zu haben, andererseits aber auch mehr Verantwortung zu übernehmen. So plane ich meinen eigenen Unterricht und muss den Schülern auf Spanisch die Themen vermitteln, habe aber immer noch die Unterstützung des Lehrers wenn ich sie benötige. Jeden Tag von 10-11 Uhr findet eine Pause statt, in der eine der Mütter an die Schule kommt, um für die Kinder, den Lehrer und mich zu kochen. Sehr häufig gibt es Gemüsesuppe, aber auch Reis mit Kartoffeln und Salat oder Reis mit Nudeln wurde bereits aufgetischt.

Gemüsesuppe in der Schule in Ecuador
Das Gap Year als Freiwilligendienst: Das Leben von Alexander in seiner Gastfamilie in den Anden
Nach der Schule, also um 13 Uhr, geht es dann in meine Gastfamilie. Dort verbringe ich die Nachmittage meistens damit, bei dem mitzuhelfen, was gerade ansteht. So habe ich bereits Erbsen gepflückt und geschält, das gleiche gilt für Bohnen, oder beim Auffüllen von ausgewaschenen Stellen in der Straße geholfen. Am späten Nachmittag ziehen dann meist Wolken auf, die die ganze Umgebung benebeln. Da die Sonne auch bereits gegen 18 Uhr untergeht und es sehr kalt wird, versammeln wir uns dann meistens in der Küche vor dem Herd. Die Wärme der Flammen kann jedoch die Kälte, welche durch die fehlende Tür hereinströmen kann, nur schwer ausgleichen.
Umso besser ist es dann, wenn es Essen gibt. Hier gibt es ebenfalls häufig Suppe, aber ab und zu auch Reis mit Gemüse. Fleisch steht nur zu besonderen Anlässen, so zum Geburtstag meines Gastvaters, auf dem Speiseplan. Hierfür wurde von meiner Gastmutter eines der hauseigenen Hähnchen geschlachtet. Eine weitere Sache, welche zum Essen serviert wird, ist „aguita”, was eine Art Tee ist. Hierfür wird Wasser mit Kräutern, wie zum Beispiel Oregano erhitzt und dann mit Zucker gesüßt. Auch das hilft gegen die innere Kälte.
Da nach Sonnenuntergang nichts mehr zu tun ist, geht es meist zwischen 20 und 21 Uhr ins Bett. Das ist aber auch ganz gut, da am nächsten Tag bereits gegen 5 Uhr aufgestanden wird. Die Kühe, welche auf einer Weide, etwa 15 Minuten entfernt, sind, müssen gemolken werden. Und das natürlich täglich. Ich bin bis jetzt jedes Mal dabei gewesen und durfte es sogar ein paar Mal selber probieren. Nachdem das erledigt ist, gibt es das Frühstück, welches sich nicht wirklich von den anderen Mahlzeiten unterscheidet. Danach geht es wieder in die Schule und alles beginnt von vorne.
Das Gap Year als Freiwilligendienst: Alexander genießt das Leben in Ecuador
Allgemein bin ich sehr glücklich über diese Abwechslung. Einerseits habe ich eine etwas städtischer gelegene Schule, auf der anderen Seite aber auch wieder das genaue Gegenstück.
Das Leben in der Familie in den Anden entkoppelt mich von dem normalen Alltag und zeigt mir eine neue Art des Lebens. Und ich habe auch das Gefühl, dass mein Spanisch sich hier am deutlichsten verbessert.
Auf jeden Fall freue ich mir sehr auf die Zukunft hier in Ecuador und all die ganzen neuen Erlebnisse, die noch auf mich zukommen.
Bis dann, Euer Alexander

