Anouschka aus Sachsen-Anhalt verbringt ihr Auslandsjahr mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Deutschen Stiftung Völkerverständigung in Ägypten. Sie hat sich für einen Freiwilligendienst im Goethe Institut in Kairo entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen.
Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal und den Leitfaden im E-Book Gap Year und im Handbuch Ratgeber AUF IN DIE WELT
Hallo, ich bin Anouschka, hier berichte ich über meine Erfahrungen mit dem Freiwilligendienst in Ägypten. Weitere Eindrücke bekommt Ihr mit meinen kurzen Videobeiträgen
Meine Planung und Erwartungen vor der Reise
Die Planung der Reise nach Ägypten war relativ einfach. Ich wusste, dass ich sechs Monate in Kairo verbringen werde und habe mir deshalb im Vorfeld eine Wohnung in der Stadt gesucht und dann Flüge gebucht. Die Reise war insgesamt sehr unkompliziert. Ich bin extra eine Woche früher nach Ägypten gereist, damit ich die Stadt noch erkunden kann, bevor meine Arbeit anfängt. Ich wollte die erste Woche bewusst dafür nutzen, anzukommen, mich zu orientieren und die Stadt kennenzulernen, ohne gleichzeitig schon die Verpflichtung durch die Arbeit zu haben.
Nordafrika hat mich während meines Studiums politisch, kulturell und demografisch sehr fasziniert und ich wollte gerne mehr über diesen Teil der Erde lernen. Was ist dafür besser geeignet, als einmal für eine längere Zeit vor Ort zu leben? Ägypten war tatsächlich meine erste Wahl und deshalb bin ich sehr froh, dass ich die Möglichkeit bekommen habe, hier sechs Monate zu verbringen.
Vor meiner Reise hatte ich mir Kairo sehr groß und ehrlich gesagt auch etwas wuselig vorgestellt. Mit 20 Millionen Menschen ist die Stadt natürlich riesig. Was ich aber vor Ort schnell festgestellt habe, ist, dass Kairo in viele verschiedene Viertel und Stadtteile aufgeteilt ist und jeder dieser Stadtteile seine eigenen Eigenheiten, teilweise fast seine eigenen Bräuche und eine eigene Identität hat. Genau das finde ich sehr spannend. Weil Kairo eine riesige Stadt ist, fühlt es sich dadurch nicht überall gleich an. Je nachdem, in welchem Viertel man unterwegs ist, verändert sich die Atmosphäre und es gibt immer Neues zu entdecken.
Vor meiner Reise hatte ich natürlich Respekt vor einigen Dingen. Ich hatte nicht unbedingt Angst, aber ich wusste, dass manche Situationen eine Herausforderung werden könnten. Besonders Respekt hatte ich vor der Sprachbarriere. Deshalb bin ich sehr froh, dass ich über das Programm, mit dem ich in Ägypten bin, einen Sprachkurs machen kann. Dadurch kann ich mich zumindest auf einem einfachen Level mit Menschen verständigen und die Stadt gleichzeitig noch einmal ganz neu kennenlernen. Es ist ein anderes Gefühl, wenn man nicht nur als Tourist unterwegs ist, sondern langsam beginnt, einzelne Wörter und Sätze auf Arabisch zu verstehen und selbst zu benutzen.
Da ich vorher schon viel im Ausland gelebt habe, war es für mich nicht besonders schwierig, sechs Monate ins Ausland zu gehen. Für mich war es eher eine willkommene Kontinuität auf meiner bisherigen Reise. Trotzdem ist jedes Land natürlich anders und Ägypten hat mich direkt mit einer ganz anderen Form von Alltag konfrontiert.
Auch die Wohnungssuche hat sich letztendlich leichter ergeben als erwartet. In Deutschland habe ich erlebt, wie schwierig es sein kann, eine bezahlbare Wohnung zu finden. In Ägypten variieren die Mieten natürlich sehr stark abhängig davon, wo man in der Stadt wohnen möchte. Trotzdem habe ich relativ schnell etwas gefunden und konnte dadurch entspannt meine Reise planen.
Ankunft und erste Eindrücke
Als ich in Kairo angekommen bin, ist mir sofort aufgefallen, wie viel Verkehr es gibt. Kairo ist eine Stadt mit unglaublich vielen Menschen und entsprechend voll sind auch die Straßen. Es ist laut, wuselig und manchmal auch etwas chaotisch. Gleichzeitig ist genau das auch ein Teil dessen, was die Stadt für mich so spannend macht.
Natürlich ist alles in einer Stadt mit 20 Millionen Einwohnern sehr viel Trubel, laut und wuselig, aber gleichzeitig auch sehr spannend und herausfordernd. Man erlebt eigentlich jeden Tag irgendetwas Neues. Die Stadt fühlt sich sehr lebendig an. Es passiert ständig etwas auf der Straße und man hat das Gefühl, immer mitten im Geschehen zu sein.
Besonders der Verkehr war für mich am Anfang eine Umstellung. Es gibt zwar eine relativ gute Metroverbindung innerhalb der Stadt, aber das Bussystem muss man sich erst einmal erarbeiten. Es gibt zum Beispiel Minibusse, die von bestimmten Busstationen zu anderen Punkten fahren. Teilweise muss man sie unterwegs anhalten oder dem Fahrer sagen, wo man gerne aussteigen möchte. Das ist zunächst ein System, das man erst einmal durchschauen muss. Nach einiger Zeit bekommt man aber ein Gefühl dafür. Ich benutze inzwischen Bus, Taxi und Metro.
Eine weitere Sache, die mir sofort aufgefallen ist, ist die Lautstärke. Kairo ist tatsächlich laut. Es wird ständig gehupt und die Stadt schläft sozusagen nie. Am Anfang musste ich mich daran gewöhnen, weil ich diese permanente Geräuschkulisse nicht gewohnt bin. Inzwischen gehört sie für mich schon viel mehr zum Alltag.
Meine erste Woche in Kairo
Ich wollte bewusst eine Woche früher anreisen, um die Stadt kennenzulernen, ohne gleichzeitig schon in der Arbeit zu stecken. In dieser ersten Woche habe ich vor allem Cafés besucht und war in Downtown unterwegs. Ich war viel alleine unterwegs, was ich sehr schön fand, weil ich dadurch die Möglichkeit hatte, Dinge und Situationen einfach auf mich wirken zu lassen. Gerade diese erste Woche war wichtig für mich, weil ich mich langsam orientieren konnte. Ich musste nicht sofort wissen, wie alles funktioniert. Ich konnte es einfach ausprobieren, mich verlaufen, neue Orte entdecken und herausfinden, wie ich mich in der Stadt bewegen kann.
Das Leben ist hier sehr viel lebendiger auf der Straße. Man ist ständig mit Menschen in Kontakt. Es werden einige Dinge angeboten, man kommt mit Menschen ins Gespräch und generell fühlt sich das Leben viel weniger anonym an. Im Vergleich dazu fühlt sich das Leben in Deutschland für mich teilweise anonymer und individueller an. In Deutschland macht jeder eher sein eigenes Ding.
Ich habe mich deshalb schon nach wenigen Tagen relativ wohlgefühlt. Natürlich musste ich mich erst an einige Dinge gewöhnen. Besonders die Hitze in den ersten zwei Wochen war wirklich sehr fordernd.
Was ich in dieser ersten Zeit definitiv gelernt habe, ist, mehr im Moment zu leben und Dinge auf mich zukommen zu lassen. Durch das teilweise etwas weniger regulierte System muss man flexibler sein. Nicht alles lässt sich genau planen und nicht alles funktioniert sofort so, wie man es sich vorher vorgestellt hat. Anfangs kann das anstrengend sein. Gleichzeitig tut mir diese Flexibilität sehr gut.
Ich musste lernen, geduldiger zu sein. Nicht auf jede Zeit kann man sich verlassen und manche Dinge dauern einfach länger. Gleichzeitig bringt das auch eine gewisse innere Ruhe. Man kann nicht alles kontrollieren und muss lernen, manche Dinge einfach hinzunehmen.
Bis bald Eure Anouschka

