Roberta aus Nordrhein-Westfalen verbringt ihr Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Deutschen Stiftung Völkerverständigung in Mexiko. Sie hat sich für das Gap Year für einen Freiwilligendienst beim Deutsche Akademischen Austauschdienst (DAAD) in Mexiko-City entschieden. Sie berichtet hier über die Erfahrungen.
Alles zu ihrem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal und im Ratgeber E-Book Gap Year.
Erste Eindrücke von Mexiko-Stadt
Die erste Nacht war schwierig. Ich konnte kaum schlafen, weil die Stadt sehr laut ist – ständig fuhren Autos vorbei, Sirenen von Polizei oder Krankenwagen heulten. Inzwischen habe ich mich aber daran gewöhnt.
Am ersten Morgen erkundeten wir die Gegend. Was mir sofort auffiel: Mexiko-Stadt ist trotz der unglaublichen Größe und den Millionen Menschen sehr grün. Im Ballungsraum leben etwa 22,8 Millionen Menschen. Direkt am ersten Tag zeigte uns eine Nachbarin, wie man hier eine SIM-Karte bekommt, und gab uns weitere Tipps. Schon da merkte ich: Die Leute sind unglaublich hilfsbereit und freundlich.
Gleichzeitig war ich am Anfang oft überfordert – selbst beim Einkaufen im Supermarkt. Alles war neu: die Produkte, die Preise, die Sprache. Besonders interessant fand ich, dass viele Lebensmittel ähnlich teuer oder sogar teurer als in Deutschland sind, während öffentliche Verkehrsmittel wie die Metro nur wenige Cent kosten. Auch Essen in Restaurants ist oft günstiger als in Deutschland, außer in Cafés oder touristischen Lokalen, wo die Preise vergleichbar mit Deutschland sind.
Am Abend gingen wir Tacos essen. Dabei fiel mir auf, wie unterschiedlich mexikanisches Essen in Deutschland dargestellt wird: Während man in Deutschland Tacos meist mit Fleisch, Gemüse und manchmal Mango serviert bekommt, gibt es hier fast nur Fleisch (oder Käse auf Wunsch) – als vegetarische Alternative werden Kaktusblätter angeboten.
Stadt, Kultur und große Feierlichkeiten
Die Tage bis zu meinem ersten Arbeitstag habe ich genutzt, um die Stadt besser kennenzulernen – sowohl das öffentliche Nahverkehrssystem als auch die verschiedenen Stadtteile, von denen manche sicherer und manche weniger sicher sind. Dabei konnte ich schon einige spannende Orte entdecken. Wir waren im Bosque de Chapultepec, dem größten Park Lateinamerikas, spazieren. Im Park gibt es viele Museen, einen kostenlosen Zoo und zahlreiche Stände, wo Essen, frische Säfte, Obst und Souvenirs verkauft werden. Besonders interessant ist die Seilbahn im Bosque, die Teil des öffentlichen Nahverkehrssystems ist und daher sehr günstig genutzt werden kann. Wir sind ein Stück damit gefahren und hatten dabei einen wunderschönen Blick auf die Stadt – gerade passend zum Sonnenuntergang. Zudem gibt es im Park kleine Seen, auf denen man Tretboote mieten und eine Runde drehen kann – das haben wir uns auch für die nächste Zeit vorgenommen.
Besonders spannend fanden wir eine kleine Tradition im Park: Viele Menschen kaufen dort kleine Kuscheltiere in Form von Affen, die man auf dem Kopf tragen kann. Mit einem Knopf an dem Affen kann sogar Wasser verspritzt werden, sodass man damit auch mit Freund:innen spielen kann. Wir fanden die Idee sehr spaßig und stellten uns das wie eine kleine Tradition für den Bosque und den Zoo vor.
Besonders beeindruckend war auch der Besuch der Torre Latinoamericana, eines 186 Meter hohen Turms, von dem aus wir einen weiten Blick über die gesamte Stadt hatten.
Ein weiteres Highlight war das Nationalmuseum für Anthropologie, wo wir viel über die indigene Kultur Mexikos erfahren haben. Dort konnten wir auch die berühmte Piedra del Sol (auf Deutsch „Stein der Sonne“) sehen, ein riesiges Relief und eines der bekanntesten Symbole Mexikos.
Parallel dazu habe ich versucht, mein Spanisch zu verbessern. Ich habe mit der Mitbewohnerin eines anderen Freiwilligen, ihrer Familie und ihren Freund:innen gesprochen. Außerdem habe ich mich bewusst getraut im Supermarkt oder im Restaurant auf Spanisch zu bestellen oder nachzufragen, was bestimmte Gerichte sind. Neue Wörter habe ich mir immer sofort notiert und später nachgeschlagen. Gleichzeitig war ich sehr damit beschäftigt, eine Wohnung für die kommenden Monate zu finden – eine Aufgabe, die viel Zeit und Energie in Anspruch genommen hat.
Ein besonderes Erlebnis war der 15. September, die Nacht des „Grito de la Independencia“ – dem Beginn der Feierlichkeiten zum mexikanischen Unabhängigkeitstag. Zufällig fiel dieser Tag auch mit dem Geburtstag einer anderen Freiwilligen zusammen. Deshalb hatten wir die Möglichkeit, gemeinsam mit ihrer Gastfamilie zu feiern. So erlebten wir eine richtige mexikanische Familienfeier, mit traditionellem Essen, Musik und einer unglaublich herzlichen Atmosphäre. Für mich war es beeindruckend zu sehen, wie wichtig dieser Tag für die Menschen ist und mit wie viel Stolz und Freude gefeiert wird.
Natürlich haben wir uns auch die Rede von Präsidentin Claudia Sheinbaum angehört, die jedes Jahr ein zentraler Bestandteil der Feierlichkeiten ist. Am nächsten Tag, dem 16. September, war offizieller Feiertag. Wir nutzten den freien Tag, um uns die große Militärparade in der Innenstadt anzusehen.
Die Parade, die zu Ehren der Unabhängigkeit Mexikos abgehalten wird, ist eine lange Tradition, die bis ins späte 19. Jahrhundert zurückreicht. Es war unglaublich spannend sie live mitzuerleben: endlose Reihen von Soldat:innen der Armee, der Marine und der Luftwaffe marschierten durch die Straßen. Auch Einheiten der ersten Hilfe im Krieg waren vertreten, darunter Militärärzt:innen und Krankenschwestern. Neben den Marschformationen rollten Panzer durch die Straßen, und sogar Blauhelme der Vereinten Nationen waren anwesend.
Da Mexiko-Stadt auf rund 2.000 Metern Höhe liegt, ist das Klima hier etwas kühler als in vielen anderen Teilen des Landes. Momentan ist außerdem Regenzeit, weshalb es fast täglich regnet. Tagsüber bleibt es jedoch angenehm warm, sodass man viel draußen unternehmen kann. Zum Glück neigt sich die Regenzeit nun dem Ende zu und ich bin gespannt wie sich das Wetter in den kommenden Wochen entwickeln wird.
Der öffentliche Nahverkehr ist hier relativ gut ausgebaut: Es gibt viele Busse und auch eine Metro. Allerdings sind nicht alle Stadtteile abgedeckt, sodass wir meistens zu Fuß unterwegs sind – auch unser Stadtteil gehört zu denen, die nicht so gut angebunden sind.
Mein erster Arbeitstag
Am 17. September begann mein Freiwilligendienst beim DAAD in Mexiko-Stadt. Der Tag startete um neun Uhr mit einer Vorstellungsrunde. Das Team hier ist klein: Neun Personen arbeiten im Büro in Mexiko-Stadt, drei weitere im Büro in San José (Costa Rica), das eher ein kleines Infozentrum ist, für das wir ebenfalls zuständig sind, da das Büro in Mexiko-Stadt für ganz Zentralamerika und die Karibik verantwortlich ist.
Meine Kontaktperson hat mir anschließend eine ausführliche Einführung gegeben. Ich erhielt ein Dokument mit wichtigen Informationen über die Arbeit, Hinweise zum Leben in der Stadt und einen Arbeitsplan mit meinen Aufgaben für die nächsten sechs Monate. Danach wurde mir mein Büro gezeigt, und ich durfte zunächst meinen Arbeitsplatz und meinen Laptop einrichten.
Zudem hatte ich ein Gespräch mit meinem Chef, der sich vorgestellt und mir die Aufgabenbereiche der nächsten Monate erläutert hat. An dem Tag fand außerdem eine kleine Veranstaltung mit einer Delegation aus dem Saarland statt, an der ich teilnehmen durfte – eine Gelegenheit, die ich sehr geschätzt habe.
In den folgenden Tagen habe ich mich langsam an den 8-Stunden-Rhythmus gewöhnt und meine ersten Aufgaben übernommen. Besonders angenehm finde ich die gemeinsame Mittagspause: Das gesamte Team isst zusammen, man unterhält sich und kann so den Tag auflockern – das hat mir den Einstieg sehr erleichtert.
Da das Team sehr klein ist, ist die Atmosphäre außerdem locker und freundlich. Wenn man Kolleg:innen im Gang begegnet, kann man immer kurz über den Tag oder das Wochenende sprechen, was ich sehr angenehm finde.
Insgesamt waren die ersten Wochen in Mexiko-Stadt voller neuer Eindrücke, Herausforderungen und schöner Erlebnisse – und ich bin gespannt, was die kommenden Monate noch für mich bereithalten.
Bis bald Eure Roberta

