Schüleraustausch: Der Wechsel der Gastfamilie und was die Schüler dann unternehmen können

Im Auslandsjahr wechseln die Schüler/innen oft die Gastfamilie – wie die Schüler in dieser Situation handeln sollten

Schüleraustausch Marieke mit Gastfamilie

Beim Schüleraustausch leben die Schüler/innen meistens in einer Gastfamilie. Trotz sorgfältiger Vorauswahl kommt relativ oft dazu, dass die Austauschschüler während des Auslandsjahres einmal die Gastfamilie wechseln; manche Schüler/innen wechseln die Familie sogar mehrfach. Die Erfahrungen gehen bis zu einem Drittel der Schüler/innen. 

Wie läuft der Wechsel der Gastfamilie ab, was ist dabei die Rolle der Gastschüler und wie können sie den Wechsel in ihrem Sinne beeinflussen?

1 Der Schüleraustausch im Classic Programm

Die meisten Schüler/innen gehen im Rahmen des sogenannten Classic-Programms nach Amerika oder in eines der anderen 60 Gastländer weltweit. Das bedeutet, dass die Schüler/innen eine öffentlichen High School besuchen und in einer Gastfamilie in der Nähe wohnst. Bei diesem Programm entscheidet die Austauschorganisation allein über die Auswahl der Schule und über die Gastfamilie.

Weitere Programme sind das Select-Programm mit dem Besuch einer privaten Schule und der Unterbringung in einer Gastfamilie sowie das Internate-Programm, bei dem die Schüler/innen in einem Internat leben. Im Rahmen dieser Programme sind Wechsel nur selten zu beobachten.

2 Die Aufgaben der Gastfamilie im Schüleraustausch

Die Gastfamilie hat im Kern die Aufgabe, dir eine Unterkunft zur Verfügung zu stellen und dir die tägliche Ernährung in der Wohnung zu ermöglichen. Hinzu kommt die wichtige Elternfunktion. Die Familie nimmt die Schüler/in normalerweise wie ein eigenes Kind auf, mit allen Rechten und Pflichten. Die Verhaltensregeln und die Gewohnheiten der Familie gelten auch für die Gastschüler. Die Austauschorganisationen finden die Gastfamilien, indem ihre örtlichen Vertreter alle ihnen bekannten Familien in der Region ansprechen. Außerdem versuchen sie, über öffentliche Werbung neue Gastfamilien zu gewinnen.

3 Ursachen für den Gastfamilien-Wechsel im Schüleraustausch

Der Wechsel der Gastfamilie kann ganz unterschiedliche Gründe haben. Das kann sowohl auf der Seite der Gastfamilie liegen als auch bei der Gastschülerin / dem Gastschüler. Mitunter gibt es Punkte auf beiden Seiten, die zum Wechsel führen:

  • Veränderungen in der Lebenssituation der Gastfamilie, etwa wenn die Gasteltern ihre Arbeit verlieren oder ändern, umziehen oder wichtige Familienmitglieder längerfristig erkranken.
  • Austauschschüler/innen können mit den Umgangsregeln der Familie Probleme haben.
  • Die Austauschschüler/innen fühlen sich in der Familie nicht verstanden.

4 Der Ablauf des Gastfamilien-Wechsels beim Schüleraustausch

Der Wechsel wird dadurch angeregt, dass Schüler/in und Gastfamilie darüber sprechen und sich klar werden, dass die aufgetreten Probleme nur durch einen Wechsel zu lösen sind. Daran schließen sich Gespräche mit dem lokalen Koordinator der Austauschorganisation an. Die Aufgabe des Koordinators ist zu klären, ob der Wechsel vermeidbar ist. Wenn das Ergebnis ist, dass ein Wechsel stattfinden soll, klärt der Koordinator, in welche neue Gastfamilie die Schüler/in kommt und organisiert den Umzug.

5 Die Rolle der Schüler/in beim Wechsel der Gastfamilie im Schüleraustausch

Die Austauschschüler/innen können im Zusammenhang mit dem Gastfamilien-Wechsel eine aktive Rolle übernehmen:

  • Die Schüler/innen geben den ersten Anstoß zum Wechsel, indem sie ihre Unzufriedenheit mit der Situation zum Ausdruck bringen. Dafür sollten sie aktiv das Gespräch mit ihrer Familie suchen und ihre Sorgen schildern. Dabei ist es wichtig, dass die Schüler/innen die Sicht der Gasteltern aufnehmen und überlegen, ob sie durch Änderungen auf ihrer Seite dazu beitragen können, dass der Wechsel nicht notwendig ist.
  • Wenn die Unstimmigkeiten nicht erledigt werden können, sollte den Gasteltern klar gesagt werden, dass der Wechselwunsch nun an den lokalen Koordinator der Austauschorganisation gegeben wird.
  • Im Einzelgespräch mit dem Koordinator können die Gastschüler ihre Sorgen und ihren Wechselwunsch erläutern. Dazu gehört auch die Offenheit, über das eigene Verhalten und Möglichkeiten zur Lösung der Probleme zu sprechen, um einen Wechsel eventuell doch noch zu vermeiden.
  • Im gemeinsamen Gespräch mit den Gasteltern und dem Koordinator sollte die Gastschülerin / der Gastschüler die eigene Sicht schildern, aber auch offen sein für Anmerkungen und Kritik der Gasteltern und des Koordinators. Wenn danach unverändert der Wunsch zum Wechsel besteht, sollte das in diesem Moment klar zum Ausdruck gebracht werden.
  • Falls der Koordinator danach nicht kurzfristig aktiv wird und die eine Perspektive für den Umzug nennt, ist wichtig, deinen Wechselwunsch schriftlich festzuhalten, beispielsweise in einer Mail an den Koordinator.
  • Im Falle weiterer Verzögerungen solltest du dich direkt an die Zentrale deiner Austauschorganisation im Gastland wenden.
  • Notfalls musst du das Thema weiter eskalieren, und zwar an die Austauschorganisation in Deutschland. In diesem Moment ist wichtig, dass die Schüler/in die eigenen Eltern informiert, damit sie bei der deutschen Austauschorganisation nachfragen können.