Schüleraustausch: Erfahrungen in Kanada

Im Interview: Tanja berichtet über ihren Aufenthalt in Toronto und gibt Tipps für künftige Austauschschüler

Tanja mit ihren Freundinnen (Foto: Dt. Stiftung Völkerverständigung)

Kanada ist hat ein sehr gutes Bildungssystem, eine internationale Bevölkerung und Weltoffenheit und eoine großartige Natur. Kein Wunder, dass Kanada der Geheimtipp für die jungen Deutschen ist, die es in die Ferne zieht.

Tanja war 2010/11 für ein Schuljahr in Toronto und hat in einem Internat gelebt. Sie hat uns von ihren Erfahrungen berichtet. Hier kommt der zweite Teil unseres Interviews mit ihr.

<link erfahrungen internal link in current>Erfahrungen anderer Austauschschüler findest Du hier

TIPP: Am 24.8.2013 findet in Berlin die diesjährige SchülerAustausch-Messe Kanada in Deutschland mit umfassenden Informationen speziell zu Kanada statt. Dazu gehören auch persönliche Erfahrungsberichte ehemaliger Austauschschüler.

Warst Du ihr erster Austauschschüler?
Da ich im Internat war, war ich eine von vielleicht 15 neuen Mädchen, die neu an die Schule kamen.

Beschreibe kurz Deine erste Begegnung mit deiner Gastfamilie
Wir ungefähr 70 „Res girls“ (Internatsschülerinnen) haben uns nach und nach in der ersten Woche vor Schulbeginn (Orientation Week) kennengelernt. Wir Neuen und ein paar der Älteren im Wohnheim haben die Woche viele Ausflüge gemacht. Auch haben wir eine Fragenrunde gemacht, bei der die Neuen mit den Älteren reden konnten. Am Anfang wusste ich nicht so ganz, wie ich mich verhalten sollte, aber ich habe sehr schnell bemerkt, dass ich mich mit den Anderen sehr gut verstand. Es gab auch drei Deutsche und eine Österreicherin, mit denen ich mich unterhalten konnte.

Nenne einige Unterschiede zwischen Deiner Gastfamilie und deiner Familie in Deutschland
Ich hatte ungefähr 69 Schwestern und 8 Mütter: die „Dons“, eine Art Aufpasserinnen, die super nett waren und viel geholfen haben. Auch waren die meisten der anderen Mädchen asiatisch (Chinesinnen, Koreanerinnen, Mädchen aus Hong Kong) oder eben gerade nicht aus Europa oder gar Deutschland. Es gab noch ein paar Kanadierinnen; ein Mädchen kam aus Mexiko, eines aus Dubai. Somit gab es viele Unterschiede im Verhalten: So war ich z.B. eine der Wenigen, die morgens geduscht hat. Aber ich habe mich schnell daran gewöhnen können und es hat viel Spaß gemacht, mich mit den Anderen zu unterhalten und Dinge zu unternehmen!

Gab es manchmal Probleme zwischen Dir und deiner Gastfamilie? Wenn ja, welche?
Ich hatte nur am Ende des Jahres kurz Streit mit meiner „roommate“ (Zimmerpartnerin), aber sonst lief alles prima.

Wie habt Ihr die Probleme gelöst?
Wir haben uns darüber unterhalten und konnten uns einigen, besser auf einander zu achten.

Was war Dein schönstes Erlebnis mit deiner Gastfamilie?
Wir waren auf Familien aufgeteilt: Ich war ein „Yellow Sunfish“. Das schönste Erlebnis mit meiner Familie war, dass wir einen Nachmittag alle zusammen ausgegangen sind und Bubble Tea zusammen getrunken haben. Da haben wir viel geredet und Spaß gehabt. Das war jedoch auch das letzte Mal, dass wir etwas zusammen unternommen haben.

Tipps für zukünftige Austauschschüler

Würdest Du anderen Schülern empfehlen einen Austausch zu machen? Wenn ja, wieso?
Auf jeden Fall!!! Ich habe in dem Jahr unglaublich viel Neues kennen gelernt. Auch habe ich geschätzt mehr als 150 neue Freundinnen gefunden. Nach dem Jahr war ich auch wesentlich flüssiger im Englischen und hatte viele unterschiedliche Kulturen kennen und schätzen gelernt. Ich würde liebend gern alle meine Freundinnen nochmal besuchen, aber es ist sehr teuer. Ich wäre so gerne noch bis zum IB dort geblieben: einfach nur wegen meiner Freundinnen! Zudem wurde mir von allen gesagt, dass ich sie doch mal besuchen solle (d.h. Kanada, Dubai, China!). Und ich stehe immer noch über Facebook und Skype in Kontakt mit einigen von ihnen – auch wenn wir alle nicht sehr viel Zeit haben und der Zeitunterschied viel ausmacht. Ich bin viel erwachsener und selbstständiger geworden, und würde ich es nochmal machen können, würde ich keine Sekunde zögern und noch einmal nach Kanada gehen!

Welche Eigenschaften sollte Deiner Meinung nach ein erfolgreicher Austauschschüler besitzen?
Man sollte sich für andere Menschen, Kulturen und Sprachen interessieren. Auch sollte man sich trauen, neue Bekanntschaften zu machen, und selbst, wenn man sich nicht so sehr traut, über seinen eigenen Schatten springen können, um die Zeit im Ausland voll ausnutzen zu können. Da braucht man auch nicht die besten Noten zu haben und die Sprache perfekt zu sprechen. Ich kenne Leute, die ohne jede Sprachkenntnis in ein Land gefahren sind und dort ein tolles Jahr verbracht haben. Auch sollte man sich gut anderen Verhaltensweisen anpassen können und flexibel sein. Offenheit gegenüber anderen Ansichten ist dabei auch sehr wichtig. Aber im Großen und Ganzen sollte man einfach Spaß daran haben, Neues zu entdecken und neue Leute kennenzulernen.

Abgesehen von der verbesserten Sprache, welche Dinge können deiner Meinung nach Austauschschüler in einem fremden Land lernen? Und inwiefern können sie später davon auch noch profitieren?
Außer der Sprachkenntnisse habe ich auch viele Freundschaften und Kontakte geknüpft, die einem immer helfen können, wenn man zum Beispiel in ein anderes Land umzieht und dort eigentlich keine Freunde, Bekannten oder Verwandte hat (solche Freunde sind immer sehr hilfsbereit!). Dann ist man natürlich auch weltoffener und kann selbstsicherer und offener auf andere zugehen. Ein Auslandaufenthalt ist jedoch auch eine super Referenz für das eine Portfolio. Bei der sich immer weiter globalisierenden Gesellschaft heutzutage sind Erfahrungen im Ausland immer wertvoll: Firmen (besonders internationale bzw. international agierende Firmen) nehmen sehr gerne Leute mit Auslandserfahrungen.

Welchen allgemeinen Tipp kannst Du zukünftigen Austauschschülern geben?
Seid einfach so, wie ihr seid und verstellt euch nicht. Man findet immer neue Freunde und hat so viele Chancen sich im Ausland richtig auszuleben! Das solltet Ihr ausnutzen. Solch eine Chance, neue Leute, Kulturen, Sprachen kennenzulernen – ohne jeden Stress durch den Job, z.B. –, werdet Ihr nie wieder haben!!! Es wird Euch auf jeden Fall gefallen und weiterbringen! ;)