Schüleraustausch Japan – Fünf Gastfamilien und viele Erkenntnisse, was für ein Auslandsjahr wichtig ist

Auch nach dem Schüleraustausch: Japan ist und bleibt für mich ein Land voller Überraschungen

Tarek aus Niedersachsen war mit unserem Stipendium in Japan. Hier berichtet er über seine Erfahrungen nach zehn Monaten in Japan.

Mein Schüleraustausch Japan ist wie im Fluge vergangen

Mein Austausch geht langsam seinem Ende zu und ich habe nicht mal mehr eine Woche in diesem wundervollen Land. Die Zeit ist wie im Fluge vorbeigerauscht, gerade da die letzten fünf Monate eine der besten meines Lebens waren und auf jeden Fall die aufregendsten. Ich bin in fünf verschieden Familien gewesen, konnte tiefe Einblicke in ihr Leben und die japanische Kultur gewinnen und wurde behandelt wie ihr eigener Sohn.

Diese Erfahrungen haben mich um so viel reicher gemacht, so dass auch die schweren und anstrengenden Zeiten meines Austausches schnell vergessen waren. Ich blicke nun auf mein Austauschjahr und bin mir sicher es niemals in meinem Leben vergessen zu werden und bin einfach froh diese Chance bekommen zu haben, ein Jahr hier in Japan verbringen zu dürfen.

Höhepunkte meines Auslandsjahres in Japan

Gerade Dinge wie die Klassenfahrt, das Sportfest und auch mein Trip nach Hiroshima sind einige meiner absoluten Highlights. Der Trip nach Hiroshima war für mich und mein Verständnis  für die japanische Kultur extrem wichtig, selbst wenn es eine der wohl schockierendsten Erfahrungen meines Lebens war bin ich sehr dankbar diese gemacht zu haben und bin mir sicher sie wird mich mein ganzes Leben lang begleiten.

 

Unangenehme Erfahrungen in meinen Schüleraustausch Japan

Neben diesen schönen und unvergesslichen Momenten, gab es auch jene die man lieber vergessen würde. Dazu zählt mein Familienwechsel, welcher hart und sehr emotional für mich gewesen war, aber auch die Einsamkeit und die Hilflosigkeit am Anfang meines Austausches waren Erlebnisse die eher einen bitteren Nachgeschmack hinterlassen. Dennoch selbst diese sind Erfahrungen, die meine Zeit hier so einzigartig und besonders gemacht haben.

Japan ist und bleibt für mich ein Land voller Überraschungen

In den Momenten wenn man denkt, man würde alles super verstehen, zeigt einem die japanische Kultur, wie wenig man dann doch wieder über sie weiß. Gerade in den ersten Monaten hat mir dies einige Probleme bereitet und meine Zeit so gestaltet, dass es alles andere als ein Zuckerschlecken war.

Zum Glück waren meine Gastfamilien immer eine starke Unterstützung und immer zur Hilfe bereit wenn ich sie brauchte. So konnte ich mich auch in den schweren Zeiten sicher fühlen und wusste dass immer ein Ansprechpartner für mich da sein würde. Dankbar bin ich meiner jetzigen Gastmutter, da sie mir immer geholfen hat mit Problemen fertig zu werden und gerade unsere gemeinsamen Gespräche haben mir sehr geholfen die Japaner und ihre Kultur zu verstehen.

Was für den erfolgreichen Schüleraustausch am wichtigsten ist

Alles in allem ist und bleibt die Gastfamilie das wichtigste Element eines Austauschjahres und ist essentiell für dessen Ausgang, weshalb auch die eigenen Interessen immer im Einklang mit denen der Gastfamilie stehen sollten.

Neben der Gastfamilie sind natürlich auch die Freunde ein wichtiger Teil eines Austauschjahres und können dazu betragen die gemeinsam verbrachte Zeit unvergesslich zu machen, und glücklich wie ich war habe ich dank meiner Liebe zum Judo sehr viele Freundschaften geschlossen und bin verdammt froh all diese Menschen getroffen zu haben.

Nicht nur in meiner Schule, sondern auch in meinem Dojo habe ich Freunde gefunden mit denen ich lachen, mich freuen aber auch weinen konnte und ich bin dankbar für die Zeit, die ich mit allen verbringen konnte. Zwar habe ich keine neuen Hobbies dazu gewonnen aber bin trotzdem zufrieden wie sehr mein Hobby aus Deutschland meine Zeit hier geprägt hat und mir so sehr geholfen hat all meine Freunde zu finden.

Auf die Rückreise vom Schüleraustausch Japan freue ich mich sehr

Ich vermisse meine Familie nach einem Jahr doch schon sehr und bin froh all meine Freunde wieder zu sehen. Dennoch ist es ein wenig seltsam und traurig meine Freunde und meine neue zweite Familie hinter mir zu lassen.

Auch wenn ich mir sicher bin, irgendwann mal wieder nach Japan zurück zu kehren, wird dies bestimmt mehr als zwei Jahre in Anspruch nehmen und das ist eine sehr lange Zeit. Trotzdem ist meine Vorfreude auf Deutschland sehr groß und ich kann es kaum noch erwarten, meine Familie endlich mal wieder ordentlich zu drücken.

Nichtsdestotrotz habe ich ein wenig Angst wie ich mich wohl fühle wenn ich zurück komme, weil ich mir sicher bin, ich werde mich stark verändert haben. Aber was ist mit meiner Familie meinen Freunden, werden sie meine neuen Ansichten oder Denkweisen verstehen oder gar nachvollziehen können. Eventuell werde ich viele Meinungsverschiedenheiten haben und es wird ein wenig schwer, mich wieder in meiner eigenen Kultur zurecht zu finden, auch weil ich in meiner Zeit hier in Japan angefangen habe, deutlich kritischer über das deutsche Verhalten und das Miteinander zu denken.

Meine Erkenntnis: Große kulturelle Unterschiede zwischen Japan und Deutschland

Ich denke, gerade diese Erkenntnis war das Ziel des Austausches und wie hier in Japan, wo ich versucht habe die deutsche Kultur den Japanern näher zu bringen, werde ich das wahre Japan den Deutschen näher zu bringen haben. Denn Japan ist deutlich mehr als Ninjas, Samurai und Sushi. Auch unterscheidet es sich stark vom Rest des asiatischen Raums, was aber vielen Menschen nicht wirklich bewusst ist. Deshalb werde ich versuchen, in Deutschland so viel von Japan zu erzählen wie ich kann.

Das Auslandsjahr wird für mich auch andere Vorteile bringen

Ich werde die Austauscherfahrungen auf jeden Fall für mein Studium nutzen, gerade da ich in meiner Studienzeit auf jeden Fall nochmal ins Ausland will und mich jetzt sehr gut darauf vorbereitet fühle. Zudem möchte ich später international arbeiten. Da ist ein Jahr in einem anderen Land verbracht zu haben ein riesiger Vorteil. Das Auslandsjahr hat mich auf die Schwierigkeiten in einem anderen Land zu leben vorbereitet.

Der Schüleraustausch hat mir auch gezeigt, was für ein Fingerspitzengefühl es benötigt mit Menschen aus komplett anderen Kulturen zu arbeiten. Nicht immer ist das was man sieht und denkt auch wirklich das was der Gegenüber gerade will, oder versucht einem klar zu machen. Welches eine Spezialität der Japaner ist und mir mehr als einige Male Kopfzerbrechen bereitet hat, aber genauso interessant und spannend war genau diesem Denken und Verhalten auf dem Grund zu gehen und es wirklich zu verstehen.

Die Schule hat eine große Bedeutung für das Auslandsjahr

Die Schule wird einer der größten Faktoren in eurem Austauschjahr sein und der beste Ort zum Freunde machen, oder den ein oder anderen sehr interessanten Club beizutreten. Clubs sind wohl der beste Ort um neue Leute mit denselben Interessen zu treffen und eventuell Freundschaften für das Leben zu schließen. Mir selber hat mein Judo Club so viel Freude bereitet und ich bin sehr froh dort beigetreten zu sein, meiner Erfahrung nach wird euch dies auch sehr stark dabei helfen euch besser und schneller in die Schulgemeinschaft zu integrieren.

Das fremdartige Essen in Japan muss man einfach ausprobieren

Essen, auch dies wird euren Austausch stark beeinflussen, neben vielen neuen Geschmäckern, neuen Lieblingsspeisen wird es eventuell auch Gerichte geben, die euch allein beim anschauen schon Grauenhaftes ahnen lassen. Trotzdem macht das Ausprobieren allein so viel Spaß, dass ihr das eine oder andere extra Kilo dazu gewinnen werdet. Also nicht wundern, wenn die Lieblings-Hose dann auf einmal doch nicht mehr passt.

Das Wichtigste für einen schönen Schüleraustausch

Tipps und Tricks zum Überleben in einem Land, mit einer anderen Kultur und ca. zehn Stunden Flugzeit von der geliebten Familie entfernt, gibt es bestimmt. Dennoch: Am Wichtigsten für ein gelungenes und schönes Austauschjahr wird eure Bereitschaft sein, die andere Kultur objektiv zu betrachten und zu akzeptieren.

Es wird Vieles geben, mit dem ihr nicht übereinstimmt und oder was euch sehr gewöhnungsbedürftig vorkommen wird. Es wird Zeit in Anspruch nehmen dies zu verstehen und zu begreifen. Aufhören zu fragen und darüber zu nachzudenken ist der wohl größte Fehler, den ihr in eurem Austauschjahr machen könnt.

So ein Jahr bietet jedem die Chance, ein anderes Land, seine Kultur und seine Menschen kennen zu lernen auf eine Weise, die ihr euch nie vorgestellt habt. Ihr werdet merken, was ihr an eurem eigenen Land liebt, aber auch zweifelhaft findet. Zudem werdet ihr Erfahrungen sammeln, die euch durch das ganze Leben helfen werden. Selbst wenn es manchmal schwer und unsanft werden kann, werdet ihr diese Zeit für immer in eurem Herzen tragen.

Im Schüleraustausch lernst du auch viel über dich selbst

Auch wirst du Vieles über dich selbst erfahren und kennen lernen und einem selber zeigen wie wenig man sich selber doch wirklich kennt. Ihr werdet euch oft mit euch und eurem Verhalten konfrontieren müssen und manchmal über euren Schatten springen um den Menschen um euch herum nicht gegen den Kopf zu stoßen.

Neben vielen aufgeschlossenen und freundlichen Menschen werdet ihr aber auch jenen begegnen, die sich weder für euch noch für eure Kultur interessieren. Aber auch jene, die mit beispiellos klischeehaften Fragen glänzen und euch überlegen lassen ob man diese Fragen wirklich beantworten müsse. Dennoch: Genau das ist ja auch irgendwie der Sinn eines Austauschschülers um gerade in solchen Situationen anderen das eigene Land näher zu bringen.

Wie man eine andere Kultur am besten verstehen kann

Vermeiden solltet ihr euer Land mit eurem Gastland zu vergleichen. Dies würde euch weder näher an die andere Kultur noch an die Mentalität der dortigen Menschen bringen. Ihr solltet versuchen, mit offenen Augen das andere Land zu betrachten, denn meist sind die großen Unterschiede doch nicht die, die das eigene von dem Gastland unterscheiden. Viel öfters sind es doch die kleinen und unscheinbaren Dinge, die einem zeigen, das man immer weiter suchen muss um die andere Kultur zu verstehen.

Eurer Tarek