Elina aus Nordrhein-Westfahlen verbringt das Auslandsjahr im Schüleraustausch an einer High School mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der gemeinnützigen Stiftung Mensch und Zukunft in Kanada. Sie lebt bei einer Gastfamilie in der Provinz British Columbia auf Vancouver Island. Sie berichtet hier über die Erfahrungen. Die Berichte zu ihrem Auslandsjahr in Kanada kann man im Schüleraustausch Kanada Blog sehen. Alles zum Schüleraustausch nach Kanada gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal, die Länderseite Schüleraustausch Kanada, den Leitfaden im Ratgeber E-Book Kanada und die Anleitung im Schüleraustausch Online-Kurs.
Die letzten Tage vor meiner Abreise waren eine Achterbahnfahrt aus Vorfreude und Nervosität. Einerseits konnte ich es kaum erwarten, endlich mein Abenteuer zu starten, andererseits hatte ich immer wieder diese kleinen Momente, in denen ich dachte: „Was, wenn das alles eine Nummer zu groß für mich ist ?“
Mein Zimmer sah aus, als wäre ein Tornado durchgefegt. Überall lagen Klamotten, Kosmetikartikel und Unterlagen, die ich auf keinen Fall vergessen durfte. Ich habe mich kaum noch bewegen können, ohne über irgendwas zu stolpern. Das Problem war: Ich hatte viel zu spät angefangen, mich ums Packen zu kümmern. Erst zwei Tage vor dem Flug wurde mir so richtig bewusst: „Okay, jetzt solltest du wirklich mal anfangen, den Koffer zu packen.“
Natürlich hat sich das Ganze bis in die Nacht vor der Abreise gezogen. Um 1 Uhr nachts saß ich noch auf meinem Bett, habe meinen Koffer gewogen und überlegt, wie ich die Sachen besser verteile. Mein großer Koffer war viel zu schwer und das Handgepäck fast am Limit. Ich musste also noch einmal alles umpacken – mitten in der Nacht. In dem Moment habe ich mir geschworen: Beim nächsten Mal fange ich früher an! Und ganz ehrlich: Ein Handgepäckskoffer zusätzlich wäre auch nicht schlecht gewesen. Vor allem, weil ich in New York einen Teil meines Gepäcks sowieso wieder auspacken musste.
Das war stressig und hätte mit einem zweiten kleinen Koffer viel entspannter geklappt. Am Tag der Abreise hat sich die Nervosität dann noch einmal verstärkt. Der Abschied von meinen Eltern war schwerer als gedacht. Als ich dann wirklich alleine weitergehen musste, hat es mich kurz überrollt: „Jetzt gibt es kein Zurück mehr. Du musst da jetzt alleine durch.“ Für ein paar Minuten habe ich wirklich gezweifelt, ob das alles so eine gute Idee war. Besonders, weil ich vorher noch nie alleine geflogen bin, fühlte ich mich in dem Moment ziemlich verloren.
Aber sobald ich am Gate war, hat sich das Blatt gewendet. Alles hatte problemlos funktioniert und ich habe direkt andere Austauschschüler getroffen. Da wurde mir klar: Man ist eigentlich nie wirklich alleine. Alle hatten dieselbe Aufregung im Bauch, dieselben Fragen im Kopf. Das hat total geholfen. Wir saßen dann zusammen da, haben über unsere Erwartungen gesprochen und plötzlich war da dieses Gefühl: „Wir schaffen das schon.“
Der Flug selbst war dann halb so schlimm. Natürlich war ich aufgeregt, aber gleichzeitig auch stolz, das alles alleine zu meistern – auch wenn wir eigentlich gemeinsam als Gruppe unterwegs waren. Es war schön zu wissen, dass ich nicht die einzige war, die zwischendurch unsicher war.
Ankunft in New York
Als wir in New York gelandet sind, mussten wir erst einmal durch die Einreisekontrolle. Ich war nervös, ob alles klappt, aber es ging erstaunlich reibungslos. Danach wurden wir von den Campleitern abgeholt und zum Hotel gebracht. Dort bekamen wir unsere Zimmer zugeteilt. Man teilte sich immer zu dritt ein Zimmer, allerdings nicht mit anderen Deutschen – so sollte man direkt ins Englischsprechen reinkommen.
An dem Tag hatten wir noch ein Einführungstreffen. Dort wurde erklärt, wann es Frühstück gibt, was wir die nächsten Tage machen werden, wen man im Notfall anrufen kann und welche Regeln im Camp gelten. Ich war nach der langen Reise, dem vielen Englisch und den ganzen Eindrücken einfach nur müde und unglaublich froh, als ich endlich ins Bett konnte.
Am nächsten Morgen startete der Tag mit Frühstück. Es gab eine riesige Auswahl, von Pancakes über Müsli bis hin zu Bagels. Einziger Minuspunkt: kein Sprudelwasser – und das habe ich direkt vermisst. Danach hatten wir ein Seminar über die ersten Tage in der Gastfamilie und darüber, wie man neue Freunde findet. Vieles wusste man schon, aber es tat gut, alles noch einmal so klar erklärt zu bekommen.
Mittags sind wir dann mit dem Bus zu Whole Foods gefahren, haben uns etwas zu essen gekauft und ein Picknick im Central Park gemacht. Danach stand Sightseeing auf dem Programm: Central Park, High Line, West Village und am Abend der Times Square.
Die Stadt hat mich komplett überwältigt. Alles war so laut, bunt, riesig – ein absoluter Kontrast zu Deutschland. Am Times Square hatten wir sogar drei Stunden Freizeit. Wir konnten selbst herumlaufen, shoppen, essen gehen oder einfach die Stimmung aufsaugen.
Zurück im Hotel gab es keine feste Abendessenzeit. Man musste sich selbst etwas holen, was aber eigentlich ganz praktisch war, weil man dadurch noch mehr Freiheit hatte. Um 22 Uhr war dann Bettruhe. Es wurde kontrolliert, ob alle auf ihren Zimmern sind, aber bis dahin konnte man noch mit Freunden reden oder sich fertig machen.
Am zweiten Tag gab es wieder ein Meeting – diesmal über kulturelle Unterschiede zwischen Deutschland, den USA und Kanada. Danach sind wir ins Grand Central Terminal gefahren, haben dort gegessen und anschließend Lower Manhattan erkundet. Abends haben wir eine Fähre genommen und die Freiheitsstatue gesehen – ein Highlight!
Noch am selben Abend habe ich meinen Koffer neu gepackt, weil es am nächsten
Morgen früh weiter nach Kanada ging.
Bis bald Eure Elina

