Schüleraustausch USA: Enya spricht über den Abschluss an ihrer High School und die Graduation

Die Eltern von Enya sind zu ihrer Graduation aus Deutschland in die USA gekommen

Schüleraustausch in den USA: Enya mit ihrer Freundin bei der Graduation

Enya aus Baden-Württemberg verbringt das Auslandsjahr im Schüleraustausch an einer High School mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium der Deutschen Stiftung Völkerverständigung in den USA. Sie lebt bei einer Gastfamilie im US-Bundesstaat Indiana. Sie berichtet hier über die Erfahrungen. Die Berichte zu ihrem Auslandsjahr in den USA kann man im Schüleraustausch USA Blog sehen. 

Alles zum Schüleraustausch nach USA gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal, die Länderseite Schüleraustausch USA, den Leitfaden im E-Book USA, das Ratgeber Handbuch AUF IN DIE WELT und die Anleitung im Schüleraustausch Online-Kurs.

Eyna und der Abschluss ihres Lebens an der High School in Indiana

Für alle Seniors gab es einen sogenannten „Achievement Day“ bei dem sich alle im Auditorium versammelt haben und Preise für alles Mögliche verteilt wurden. Ich habe tatsächlich eine Auszeichnung als „all around artist“ bekommen, weil ich eben sehr gute Leistungen in Kunst und Ceramics hatte. 

In der folgenden Woche standen dann auch schon die Finals des 2. Semesters an, also quasi unsere Abschlussarbeiten. Wie auch schon im ersten Halbjahr waren die in meinen Klassen nicht sehr schwer, obwohl wir ja Seniors sind. Am stressigsten war es eigentlich nur in Ceramics endlich mein großes letztes Projekt rechtzeitig fertig zu bekommen. 

An diesem Wochenende sind meine Gastmutter und ich dann tatsächlich auch nach Kentucky runtergefahren, hauptsächlich um meinen Freund und Familie zu besuchen aber auch weil sie in Kentucky aufgewachsen ist und mit mir am Sonntag zu einem dort typischen Gottesdienst gehen wollte, was auch sehr interessant war.

In der Schule ging dann nach den Finals langsam die gute Laune wieder hoch und alle warten schon sehnlich auf den letzten Schultag, außer vielleicht eben die Seniors und die Austauschschüler weil uns allen dann langsam wirklich bewusst wurde, dass wir nie wieder an dieser Schule sein werden und alles bald schon vorbei ist.

Die Nostalgie ist dann schon bei den kleinsten Dingen da und alle machen immer Bemerkungen wie „Omg das ist das letze Mal dass wir, …“

Es war aber trotzdem echt lustig, obwohl es sich ein bisschen surreal angefühlt hat. Die letzte Woche waren alle ein wenig betrübt und euphorisch zugleich, denn das Einzige was noch bevor stand war die Graduation am Wochenende. 

Die wurde natürlich aber zuerst mal geprobt damit am großen Tag nichts schiefgeht und wir hatten alle ein Senior Frühstück in der Cafeteria und haben dort alle unsere Cap und Gown bekommen, den wir dann bei der Graduation ja auch anziehen werden.

Zuerst gibt es dann erstmal eine Rede im Auditorium und wir bekommen alle unsere Plätze zugewiesen, bis wir dann noch alles erklärt bekommen, was wir für später wissen müssen. Das hat auch alles gut geklappt und wir haben das Ein- und Auslaufen aus der Sporthalle geübt. 

Danach gab es dann noch einen Senior-Walk, bei dem wir alle quer durch die Schule gelaufen sind und uns die ganzen anderen Klassen applaudiert und gratuliert haben. Dann sind wir zu den Bussen, weil es üblich ist noch einen sogenannten „Elementary School-Walk“ zu machen bei dem man quasi das gleiche an seiner Grundschule macht und die kleinen Kinder zu einem aufblicken können. 

Das war dann tatsächlich beim Rückweg auch das letzte Mal, dass wir in so einem typischen gelben Schulbus gesessen sind, was schon echt etwas traurig war, weil das ja schon was Besonderes für uns war. 

Unser Track Training war an dem Punkt schon seit einer Weile vorbei aber es gab noch ein letztes offizielles Treffen, bei dem Urkunden und andere Sachen verteilt wurden, Bilder gemacht und gegessen wurde. Es war schön das ganze Team noch einmal zu sehen und sich von manchen auch dann dort schon verabschieden zu können. 

Eyna wird am Abschluss des Auslandsjahres in den USA von ihren Eltern abgeholt

Ein paar Tage vor der Graduation sind dann tatsächlich auch meine Eltern aus Deutschland gekommen, weil wir ja geplant hatten, dass sie mich quasi abholen. Das lief auch super und sie haben meine beiden Gasteltern auch direkt kennengelernt und es haben sich auch alle trotz kleiner Sprachbarriere gut verstanden. Wir haben viel mit ihnen geredet und in den nächsten Tagen sind wir auch mit ihnen essen gegangen oder haben andere Sachen gemacht. Es war für mich schon komisch sie alle zusammen im selben Raum zu sehen, weil das irgendwie so ist, als würden zwei Leben plötzlich zusammenfließen. 

Das Wochenende war dann schon etwas stressig, weil so viel geplant war. Es ist nämlich normal, dass man als Senior eine kleine Graduation Party schmeißt und Freunde und Familie einlädt. Deshalb bin ich zu ein paar der anderen Austauschschüler gegangen und habe auch eine mit Emilia aus Deutschland zusammen geplant. 

Am 24. Mai war es dann endlich so weit und wir haben uns alle auf die Zeremonie vorbereitet. Als Senior selber braucht man kein Ticket aber man bekommt zusätzlich für die Familie oder andere Leute vier Tickets für richtige Plätze, weswegen meine Gasteltern und Eltern alle gut beieinander sitzen konnten um mir zuzusehen. 

Alles lief nach Plan und alle waren bereit endlich ihr Diploma zu bekommen und ihren Schulabschluss zu feiern. Die Graduation an sich zieht sich eine Weile und zuerst gibt es viele Reden von verschiedenen wichtigen Leuten oder bekannten Schülern.

Irgendwann kommt dann der wichtige Teil bei dem jeder Schüler einzeln aufgerufen wird und dann auf die Bühne läuft, die Hand der Person dort vorne schüttelt und eine kleine Mappe bekommt, in der das Diploma an dem Punkt aber noch gar nicht drin ist. Danach läuft man kurz weiter und es wird noch schnell hinten ein Bild gemacht, bis man wieder zu seinem Platzt geht und auf die andern in seiner Reihe wartet. 

Das Ganze geht aber viel schneller als man denkt und es wirkt am Anfang schon ein bisschen beängstigend aber solange man nicht stolpert und hinfällt ist eigentlich alles gut und es wird auch für alle applaudiert. War an sich also schon alles wie in den Filmen und wenn dann alle sitzen darf man diesen „Tassle“ an seiner Kappe auf die andere Seite drehen, als Symbol das man erfolgreich „graduated“ hat. Nur leider durften wir die Kappen nicht in die Luft werfen, wie man das sonst oft sieht, weil unsere Schule das anscheinend nicht mehr erlaubt -  aber war trotzdem cool. 

Als das alles dann vorbei war sind wir wieder zurückgelaufen und haben unseren Gown wieder abgegeben und endlich das richtige Diploma Formular bekommen. An dem Punkt konnten dann auch Eltern und Freunde kommen und es gab überall Glückwünsche und Fotos. 

Lange bleiben konnte ich aber nicht, weil meine und Emilias Party ja noch anstand und wir alles vorbereiten mussten. Dort angekommen haben wir also noch schnell den Rest fertig dekoriert und das Essen hergerichtet, bis die ersten Gäste gekommen sind. Emilias Familie aus Deutschland war auch da und mit allen zusammen war es ein sehr schöner Abend.

Es ist normal kleine Geschenke von manchen Gästen zu bekommen und allgemein natürlich sehr viele Glückwünsche dafür, dass man die Graduation geschafft hat. Naja, war manchmal ein bisschen komisch, weil wir ja nur das eine Jahr gemacht haben und nicht das ganze Highschool- leben überstehen mussten aber es war trotzdem toll.

Von vielen musste ich mich dann auch schon dort richtig verabschieden, aber es war eher ein schönes Tschüß-Sagen, weil alle ja in Partystimmung waren, was es ein bisschen einfacher gemacht hat.

Der Rest des Wochenendes war dann aber auch nicht weniger verplant und vor allem musste ich es ja irgendwie schaffen mein Leben des letzten Jahres in zwei Koffer zu packen…

Das war gar nicht so einfach und viele kleinere Sachen muss man da dann halt doch auch einfach wegschmeißen aber wir haben zum Beispiel auch viele Klamotten zu „Goodwill“ gebracht, das ist ein Secondhand Shop, der gebrauchte Kleider und alles Mögliche annimmt. 

Unser Plan war es dann schließlich bis Mittwoch dort zu bleiben und dann mit unserem gemieteten Camper noch einen kleinen Roadtrip zu machen und hoch nach Kanada zu fahren um dann schließlich von Toronto aus zurück zu fliegen. 

Bis dahin hatten wir ja noch ein bisschen Zeit, was perfekt war, damit meine Eltern mit uns in die Kirche gehen konnten und noch andere Leute kennenzulernen. Mein Freund und seine ganze Familie sind tatsächlich auch noch einmal zu uns hochgefahren und dann haben sich quasi alle Familien zusammen kennengelernt.

Wir haben an einem See gegrillt, Spiele gespielt und natürlich viel geredet, was nochmal extra gezeigt hat, dass wir ja alle irgendwie gleich sind auch wenn wir aus ganz anderen Ländern oder Staaten kommen. Der Abschied von ihm war jetzt auch nicht so super einfach aber ich weiß jetzt schon, wann ich ihn das nächste Mal sehen werde, also von dem her ist es nicht so tragisch ein bisschen zu warten. 

Als letztes stand dann noch eine kleine Graduation Party von einer anderen Deutschen Freundin an und es war fast schon zu perfekt, bei ihr im Garten mit Feuerwerk, Sonnenuntergang und allem was dazu gehört. Dort habe ich mich dann auch endgültig von ihr und Emilia verabschiedet und ein paar Tränen kamen da schon auch zustande. Wir haben jetzt schon Pläne gemacht uns wiederzusehen, vor allem da Emilia nur ca. 2 Stunden von mir weg wohnt. Also merkt euch: nur weil das Austauschjahr endet bedeutet das nicht, dass alle Freundschaften und Beziehungen auch enden müssen, wo ein Wille ist, da ist ein Weg…

Irgendwie war es dann schon plötzlich Mittwoch und wir sind mit meinen Gasteltern noch ein letztes Mal zu unserem mexikanischen Lieblingsrestaurant gegangen, bevor wir abends losfahren mussten. Das war von allen der schwerste Abschied als wir wieder am Haus waren und ich konnte mich am Anfang eigentlich gut zusammenreißen. Aber als sie mich dann beide umarmt haben konnte ich das Weinen dann halt doch nicht zurückhalten. 

Es hat also eine Weile gedauert, bis wir uns so richtig verabschiedet haben und dann sind wir auch schon weggefahren… An dem Abend habe ich natürlich die Tränen dann auch nicht mehr so in den Griff gekriegt, weil ich nochmal das ganze Jahr habe Revue passieren lassen und naja, war vielleicht nicht so schlau traurige Musik zu hören. Es ist schon ein komisches Gefühl alles hinter sich zu lassen und zu sehen wie die nun allzu vertraute Umgebung an einem vorbei zeiht. 

Bis bald Eure Enya