Freiwilligendienst im Gap Year: Alexander hat im Auslandsjahr Höhen und Tiefen erlebt

Alexander verbringt sein Gap Year im Freiwilligendienst mit einem AUF IN DIE WELT-Stipendium in Ecuador. Er berichtete über die Phasen des Auslandsjahres

AUF IN DIE WELT: Freiwilligendienst im Gap Year in Ecuador (Foto: BürgerStiftung Region Ahrensburg)

Alexander aus Schleswig-Holstein verbringt ein Auslandsjahr nach der Schulzeit mit einem Stipendium der BürgerStiftung Region Ahrensburg. Er hat sich für das Gap Year für einen Freiwilligendienst in Ecuador entschieden. Er berichtet hier über die Erfahrungen. Alles zu seinem Auslandsjahr und zu anderen Freiwilligendienstlern sind im AUF IN DIE WELT-Blog zu sehen. Informationen und Praxis-Tipps zum Gap Year und zu Freiwilligendiensten nach der Schulzeit gibt es im AUF IN DIE WELT-Portal in der großen Themenseite zum Gap Year.

Alexander über die Phasen seines Auslandsjahres

Auch wenn ich es sehr schwer finde, allgemeine Phasen meines Aufenthaltes zu definieren, so versuche ich mein Bestes in diesem Abschnitt. Vorweg möchte ich aber sagen, dass es sich hierbei um meine persönliche Erfahrung handelt, und nicht zu genau genommen werden sollte. Im Endeffekt ist ein Freiwilligendienst für jede Person eine ganz neue Erfahrung, mit eigenen Problemen, Höhen- und Tiefpunkten. Ebenso variieren die Organisationen und Arbeitsorte. So, jetzt aber genug vorweg erzählt.

Wie bereits erwähnt, lässt sich meine Erfahrung hier nicht konkret zeitlich in Phasen einteilen. Stattdessen sind es immer wieder Gefühlslagen, die einerseits ineinander übergehen, andererseits aber auch verschwinden und erneut auftreten können.

Eine einzigartige Stimmung herrschte bei Alexander direkt nach der Ankunft

Vor kurzem saß man noch zu Hause in seinem Zimmer, schaute sich Bilder und Videos von dem Zielland im Internet an und stellte sich vor, wie das Leben dort so sein würde. Aber jetzt war es endlich so weit. Man war endlich da. Ich persönlich fühlte mich wie in einer anderen Welt. In mir herrschte ein Drang danach möglichst viel dieser neuen Umgebung zu erkunden, alles Neue zu sehen, zu genießen. Das alte Zuhause war vergessen, das Einzige, was zählte war, wo man das nächste Wochenende verbringen würde. Hinzu kam nun auch noch die erste Woche im Projekt, wo man auch mit unglaublich vielen Neuheiten konfrontiert wurde. Die ersten Tage in der Gastfamilie, wo man sich noch gar nicht wirklich zuhause fühlte und versuchte Ungeschicktheiten unbedingt zu vermeiden. Gleichzeitig herrschte in mir ein Drang, die neue Sprache möglichst schnell zu lernen, damit ich besser kommunizieren konnte.

Alexander gewöhnte sich schnell an den Alltag in Ecuador

Doch so schnell diese Euphorie gekommen war, flachte sie nach und nach wieder ab. So langsam gewöhnte man sich an die Arbeit, und sie wurde zu etwas alltäglichem. Auch verstand ich inzwischen die Leute sehr gut, und konnte mich mit ihnen flüssig unterhalten, was dem Spaß beim Spanisch lernen nicht unbedingt half. Aber im Endeffekt war es auch nicht so schlimm, wie es hier nun klingen mag. Ich hatte immer noch die Ausflüge an den Wochenenden, hatte die Möglichkeit immer wieder etwas Neues kennenzulernen, weswegen mir nie langweilig wurde.

Alexander: Die Fremdsprache schnell lernen ist wichtig für das ganze Auslandsjahr

Hier möchte ich euch aber unbedingt etwas ans Herz legen: Nutzt diese Zeit wirklich! Vor allem, um die neue Sprache zu lernen, ist die Anfangszeit sehr wichtig. Hier legt ihr mehr oder weniger fest, wie ihr den Rest des Jahres verbringen werdet. Es ist ein Neuanfang. Und das, an was ihr euch von Anfang an gewöhnt, bleibt oft auch bis zum Ende.

Alexander hatte in Ecuador mit Erkrankungen zu kämpfen

Während die Begeisterung über all die neuen Dinge der Eintönigkeit des Alltags wich, traten bei mir auch die ersten Krankheiten auf. Und das ist meiner Meinung nach eines der schwierigsten Zeiten, die man in seinem Auslandsaufenthalt bewältigen muss. Die Krankheit nimmt die nämlich genau das, was die Zeit im Ausland so schön und unvergesslich macht: Die Zeit im Ausland. Denn so eintönig der Alltag auch sein mag, man erlebt jeden Tag etwas Neues oder Besonderes. Sei es, dass man ein neues Essen probiert, oder das man sich mit einer bestimmten Person unterhält, oder sogar nur ein neues Wort lernt. All das macht Kranksein unmöglich. Du verlässt die vier Wände deines Raumes kaum, geschweige denn die Wohnung. Du bekommst kaum etwas von den interessanten Dingen des Gastlandes mit, sondern bist einfach nur krank. Kurz zusammengefasst: Es ist wie Kranksein zuhause, nur ohne das Zuhause.

Und eben das ist es, was man in dieser Zeit zu vermissen beginnt. Man vermisst das bekannte Essen, den Luxus in seinem Heimatland und auch einfach nur Familie und Freunde. In diesen Augenblicken will man einfach nicht mehr in der Fremde sein. Man will eigentlich nur noch zurück.

Im Endeffekt gehen aber auch diese Phasen vorbei. Denn sobald man wieder gesund ist, und Ausflüge machen oder neue Dinge lernen kann, sind diese Gedanken ganz schnell vergessen. Man darf einfach nur nicht den Kopf verlieren.

Alexander: Eine weitere Phase für mich bezog sich auf meine Arbeit

Und zwar lief es bei meiner Organisation so, dass man sich nur auf ein Land bewerben konnte, die Projekte wurden erst kurz vor der Ankunft zugeteilt. Von Anfang an hatte ich mir ein ökologisches Projekt gewünscht, am liebsten im Regenwald. Im Endeffekt stellte sich dann allerdings heraus, dass es so ein Projekt bei meiner Organisation gar nicht gab und ökologische Projekte im Allgemeinen sehr rar waren. Dies akzeptierte ich dann auch relativ schnell und war mit meiner Arbeitsstelle auch einigermaßen zufrieden.

Nachdem ich jedoch immer mehr Freiwillige anderer Organisationen kennenlernte, welche eben genau solche Projekte besaßen, wie ich sie mir gewünscht hätte, wurde ich immer unzufriedener mit meiner Arbeit. Ich bereute es mich nicht explizit auf ein ökologisches Projekt beworben zu haben, und beneidete die anderen Freiwilligen immer mehr. Hinzu kam nun auch, dass ich bei einer Arbeitsstelle nicht sehr stark eingebunden wurde. Als wäre all dies nicht schon genug, kamen in dieser Zeit auch noch einige Krankheiten bei mir hinzu.

Mit meiner Organisation organisierte ich also einen Probearbeitstag in einem anderen Projekt, welches zwar nicht ökologisch war, ich mir aber etwas mehr erhoffte. Jedoch gefiel mir die Arbeit dort noch weniger, weswegen ich einen Wechsel gar nicht mehr in Betracht zog. Ich war sogar noch viel glücklicher danach, in mein altes Projekt zurückzukehren. In Wirklichkeit brauchte ich gar keinen Wechsel. Ich brauchte nur etwas, um meine Arbeit wieder mehr wertschätzen zu können.

In den Wochen danach realisierte ich, dass ich eigentlich viel zufriedener mit meinem Projekt bin, als ich jemals gedacht hatte. Ich hörte nun auch negative Erfahrungen von den anderen Freiwilligen, von dauerhaft hoher Luftfeuchtigkeit, bis hin zu regelmäßigen Parasiteninfektionen, von welchen ich froh bin sie noch nicht gehabt zu haben. Ich traf einen Freiwilligen, der auf Galapagos gearbeitet hatte (ein Traumort von mir) und erzählte, dass er dort total unglücklich war.

Die Moral von der Geschichte ist, dass es immer einen Moment gibt, in dem man seine Arbeit nicht mehr ganz so stark mag wie vielleicht am Anfang. Es ist nur wichtig, dass man nicht nur die negativen Dinge sieht, sondern eher die Vorteile, die man dort hat. Die einzigartigen Erfahrungen, die niemand anderes haben wird. Denn das ist im Endeffekt was zählt.

Alexander: Inzwischen hat Alexander das Gefühl, dass die Zeit davonläuft

Kommen wir nun zu der letzten Phase, die bei mir erst vor kurzem begonnen hat. Das Gefühl, dass einem die Zeit davonläuft. Mehr oder weniger begann diese genau, als die Hälfte der Zeit hier vergangen war. Die Mentalität verändert sich grundlegend. Es ist nicht mehr „Schon X Monate in Ecuador“, sondern eher „Nur noch X Monate in Ecuador“. Man bekommt plötzlich Angst, dass all das, an was man sich gewöhnt hat, bald zu Ende sein wird. Ich wusste von Anfang an, dass diese Zeit kommen wird. Und obwohl ich mich mental versucht habe darauf vorzubereiten, ertappe ich mich immer wieder dabei zu denken „Nur noch 3 Monate“.

Dies ist allerdings aber nicht wirklich schlimm, solange man sich davon nicht zu sehr stressen lässt. Ja, die Zeit mag bald vorbei sein. Aber das heißt nicht, dass man diese Zeit nicht nutzen und stattdessen vor der tickenden Uhr sitzen sollte. Man sollte eher neutral darauf blicken. So wie man es zuvor getan hat. So merke ich zwar, dass die Ausflugsplanung nun etwas schwieriger wird, aber dennoch bin ich sehr zufrieden, wie ich meine Zeit verbracht habe, und weiß, dass ich es in der Zukunft auch sein werde.

Euer Alexander